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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Mächte zu werden; einem Volk, das mit sich selbst eingeschlos-sen wird leben müssen, wie die Juden des Ghetto, weil einringsum furchtbar aufgelaufener Hass ihm nicht erlauben wird,aus seinen Grenzen hervorzukommen, - ein Volk, das sich nichtsehen lassen kann?

Fluch, Fluch den Verderbern, die eine ursprünglich biede-re, rechtlich gesinnte, nur allzu gelehrige, nur allzu gernaus der Theorie lebende Menschenart in die Schule des Bösennahmen! Wie wohl tut die Verwünschung, wie wohl täte sie,wenn sie aus freiem und unbedingtem Busen emporstiege! EineVaterlandsliebe aber, die kühnlich behaupten wollte, dass derBlutStaat, dessen schnaubende Agonie wir mm erleben; derunermessliche Verbrechen, lutherisch zu reden "auf seinenHals nahm"; bei dessen brüllender Ausrufung, bei dessen dasMenschenrecht durchstreichenden Verkündigungen ein Taumelvon Überglück die Menge hinriss, und unter dessen grellenBannern unsere Jugend mit blitzenden Augen, in hellem Stolzund im Glauben fest, marschierte, - dass er etwas unsereVolksnatur durchaus Fremdes, Aufgezwungenes und in ihr Wur-zelloses gewesen wäre, - eine solche Vaterlandsliebe schie-ne mir hochherziger, als sie mich gewissenhaft dünkte. Wardiese Herrschaft nicht nach 'Worten -und Taten nur die Verzerr-te, verpöbelte, verscheusslichte 7/ahrwerdung einer Gesinnungund üeltbeurteilung, der man charakterliche Echtheit zuer-kennen muss, und die der christlich-humane Mensch nicht ohneScheu in den Zügen unserer Grossen, der an Figur gewaltig-sten Verkörperungen des Deutschtums ausgeprägt findet? Ichfrage - und frage ich zu viel? Ach, es ist wohl mehr, alseine Frage, dass dieses geschlagene Volk jetzt eben darumirren Blicks vor dem Nichts steht, weil sein letzter -undäusserster Versuch, die selbsteigene politische Form zu fin-den, in so grässlichem Misslingen untergeht.