- Was, Adrian, soll nicht sein?
- Das Gute und Edle, antwortete er mir, - was man dasMenschliche nennt, obwohl es gut ist und edel. Um was dieMenschen gekämpft, wofür sie Zwingburgen gestürmt, und wasdie Erfüllten jubelnd verkündigt haben, das soll nicht sein.
Es wird zurückgenommen. Ich will es zurücknehmen.
- Ich verstehe dich, lieber, nicht ganz. Was willst duzurücknehmen?
- Die neunte Symphonie, erwiderte er. Und dann kam nichtsmehr, wie ich auch wartete.
Verwirrt und gramvoll begab ich mich hinauf in das Schick-salszimmer. Die Atmosphäre der Krankenstube, medikamentös,dumpfig und reinlich-fade, herrschte dort, obgleich die Fen-ster offen standen. Doch waren die Läden bis auf einen Spaltherangezogen. Nepomuks Bett war von mehreren Personen umstan-den, denen ich die Hand reichte, während meine Augen dochnur auf das sterbende Kind gerichtet waren. Es lag auf derSeite, zusammengekrümmt, Ellbogen und Kniee angezogen. Mithochgeröteten Wangen atmete es einmal tief, und dann hatteman lange auf den nächsten Atemzug zu warten. .Die Augen wa-ren nicht völlig geschlossen, aber zwischen den Wimpern warnicht das Blau der Iris zu sehen, sondern nur Schwärze. Eswaren die Pupillen, die grösser und grösser, wenn auch ver-schieden gross, geworden waren und fast den Farbstern verschlan-gen. Doch war es noch gut, wenn man ihre spiegelnde Schwärzesah. Zuweilen wurde es weiss im Spalt: Dann pressten dieÄrmchen sich enger an die Flanken des Kindes, und der knir-schende Krampf verbog, grausam zu sehen, wenn auch vielleichtnicht mehr erlitten, die kleinen Glieder.
Die Mutter schluchzte. Ich hatte ihre Hand gedrückt unddrückte sie wieder. Ja, sie war da, Ursel, Hof Bucheis braun-äugige Tochter, Adrians Schwester, und aus den harmvollenZügen der nun 39jährigen traten mir stärker noch, als ehemals,
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