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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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befand, freimütig-unzweideutiger Art. Bewusstseinstrübung,legitim und nicht verfrüht durch Morphium herbeigeführt, wer-de nicht lange auf sich warten lassen und sich rasch vertie-fen. Das Kind werde dann weniger und endlich überhaupt nichtmehr leiden. Auch krasse Symptome solle man sich aus diesemGrunde nicht allzu nah gehen lassen. Nachdem er die Gütegehabt, eigenhändig die zweite Punktion auszuführen, verab-schiedete er sich würdevoll und kam nicht wieder.

Für mein Teil konnte ich mich, durch Mutter Schweigestilltäglich über die jammervollen Vorgänge telefonisch benach-richtigt, erst am vierten Tage nach dem vollen Ausbruch derKrankheit, einem Samstag, in Pfeiffering einfinden, als,unter wütenden Krämpfen, die den kleinen Leib auf die Polterzu spannen schienen und ihm die Augäpfel nach oben kehrten,das Coma schon eingesetzt hatte, des Kindes Schreien verstummtwar, und nur noch Zähneknirschen übrig blieb. Frau Schwei-gestill, übemächtigten Anblicks und mit dickverweinten Au-gen, empfing mich im Haustor und empfahl mir dringend, so-gleich zu Adrian zu gehen. Das arme Kind, bei dem übrigensseit gestern Nacht schon die Eltern seien, sähe ich frühgenug. Der Herr Doktor aber, er habe meinen Zuspruch nötig,es stehe nicht gut um ihn, im Vertrauen gesagt, scheine esihr manchmal, als rede er irre.

Mit Bangen begab ich mich zu ihm. Er sass an seinemArbeitstisch und blickte bei meinem Eintreten nur flüchtigund gleichsam geringschätzig auf. Erschreckend blass, hatteer die geröteten Augen aller Bewohner des Hauses und bewegtegeschlossenen Mundes die Zunge mechanisch irgendwo seitlicham Inneren der Unterlippe hin und her.

- Du,guter Mann? sagte er, als ich zu ihm getreten warund ihm die Hand auf die Schulter gelegt hatte. - Was willstdu hier? Das ist kein Ort für dich. Mach wenigstens deinKreuz, so, von der Stirn zu den Schultern, wie du*s als Kind