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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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unrecht haben. Das Studium der Partitur belehrt darüber, dassdie subtilsten Erfahrungen des Streichquartett-Satzes verwer-tet sind. Freilich hat Adrian mir wiederholt die Ansichtgeäussert, dass die alten Grenzen von Kammermusik und Orche-sterstil nicht zu halten seien, und dass seit der Emanzipa-tion der Farbe beides in einander übergehe. Die Neigung zumZwiestämmigen, zur Vermischung und Vertauschung, wie sie sichschon in der Behandlung des Vokalen und Instrumentalen inder"Apokalypse" anzeigt, war allerdings bei ihm im Wachsen."Ich habe, sagte er wohl, "im Philosophiekolleg gelernt, dassGrenzen zu setzen schon sie überschreiten heisst. Danach habich’s immer gehalten." Was er meinte, war die Hegel*seheKant-Kritik, und der Ausspruch zeigt, wie tief sein Schaffenvom Geistigen her - und von frühen Einprägungen - bestimmtwar.

Und vollends dann das Trio für Geige, Viola und Violon-cell, das, kaum spielbar, in der Tat nur von drei Virtuosenallenfalls technisch zu bezwingen, ebenso durch seinen kon-struktiven Furor, die Hirnleistung, die es darstellt, wiedurch die ungeahnten Klangmischungen in Erstaunen setzt, dieein das Unerhörte begehrendes Ohr, eine kombinatorische Phan-tasie sondergleichen den drei Instrumenten abgewonnen hat."Unmöglich, aber dankbar", so kennzeichnete Adrian in guterLaune das Stück, dessen Niederschrift er schon während derEntstehung der Ensemblemusik begonnen, und das er im Sinngetragen und ausgebildet hatte, beladen mit der Arbeit andem Quartett, von dem man hätte denken sollen, dass es al-lein die organisierenden Kräfte eines Menschen auf lange undaufs letzte hätte verzehren müssen. Es war ein exuberantesIneinander von Eingebungen, Forderungen, Erfüllungen und Ab-berufungen zur Bewältigung neuer Aufträge, ein Tumult von Pro-blemen, die zusammen mit ihren Lösungen hereinbrachen, -"eine Nacht", sagte Adrian, "in der es vor Blitzen nicht

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