vermieden. Es gibt überhaupt keine motivischen Zusammenhänge,Entwicklungen, Variationen und keine Wiederholungen? ununter-brochen, in scheinbar völlig ungebundener Weise, folgt Neues,zusammengehalten durch Ähnlichkeit des Tones oder des Klangesoder, fast mehr noch, durch Kontraste. Von überliefertenFormen nicht eine Spur. Es ist, als ob der Meister in die-sem scheinbar anarchischen Stück tief Atem holte zur Faust-Kantate, dem Gebundensten seiner Werke. In dem Quartett hater sich nur seinem Ohr überlassen, der inneren Logik desEinfalls. Labei ist die Polyphonie aufs äusserste gestei-gert und jede Stimme in jedem Augenblick ganz selbständig.Artikuliert wird das Ganze durch s-ehr deutlich gegen einan-der abgesetzte Tempi, obgleich die Teile ohne Unterbrechungdurchzuspielen sind. Ler erste, Moderato übersdhrieben,gleicht einem tief nachdenklichen, geistig angestrengten Ge-spräch und mit einander Zu Rate gehen der vier Instrumente,einem Austausch ernsten und stillen Ganges, fast ohne dyna-mische Abwechslung. Es folgt ein wie im Lelirium geflüster-ter Presto-Teil, von allen vier Instrumenten mit Lämpferngespielt, ein langsamer Satz sodann, kürzer gehalten, inwelchem durchaus die Bratsche die Hauptstimme trägt, vonEinwürfen der anderen Instrumente begleitet, sodass man aneine Gesangsszene erinnert ist. In dem "Allegro con fuoco"endlich lebt sich die Polyphonie in langen Linien aus. Ichkenne nichts Erregenderes, als den Schluss, wo es ist, wiewenn von allen vier Seiten Flammen züngelten: eine Kombina-tion von Läufen und Trillern, die den Eindruck erweckt, alshöre man ein ganzes Orchester. Wirklich ist durch die Aus-nutzung der weiten Lagen und der vorzüglichsten Klangmöglich-keiten jedes Instruments eine Sonorität erreicht, welche dieüblichen Grenzen der Kammermusik sprengt, und ich zweiflenicht, dass die Kritik dem Quartett überhaupt entgegenhal-ten wird, es sei ein verkapptes Orchesterwerk. Sie wird
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