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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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kalischen Hoch- und Wundererträges: zuerst der Ensemblemusikfür drei Streicher, drei Holzbläser und Klavier, eines, ichmöchte sagen, schweifenden Stückes, mit sehr langen, phanta-sierenden Themen, die vielfältig verarbeitet und aufgelöstwerden, ohne je offen wiederzukehren. Wie liebe ich diestürmisch vorwärts drängende Sehnsucht, die seinen Charakterausmacht, das Romantische seines Tons! - da es doch mit denstrengsten modernen Mitteln gearbeitet ist - thematisch zwar,aber mit so starken Abwandlungen, dass es eigentliche "Re-prisen" nicht gibt. Ausdrücklich "Phantasie" heisst der er-ste Satz, der zweite ist ein in mächtiger Steigerung sicherhebendes Adagio, der dritte ein Finale, das leicht, fastspielerisch einsetzt, sich kontrapunktisch zunehmend verdich-tet und zugleich immer mehr den Charakter tragischen Ernstesannimmt, bis es in einem düsteren, trauermarschähnlichenEpilog sich endigt. Nie ist das Klavier harmonisches Füll-instrument, sein Part ist solistisch wie in einem Klavier-konzert - darin wirkt wohl der Violinkonzertstil nach. Wasich, vielleicht am tiefsten bewundere, ist die Meisterschaft,mit der das Problem der Klangkombination gelöst ist. Nir-gends decken die Bläser die Streicher, sondern sparen diesenstets Klangraum aus und alternieren mit ihnen, nur an ganzwenigen Stellen sind Streicher und Bläser zum Tutti vereinigtUnd wenn icch den Eindruck zusammenfassen soll: es ist, alswürde man von einem festen und vertrauten Ausgang in immerentlegenere Regionen fortgelockt - alles geht anders zu, alsman erwartet. "Ich habe", sagte Adrian zu mir, "keine Sona-te schreiben wollen, sondern einen Roman."

Biese Tendenz zur musikalischen "Prosa" kommt auf ihreHöhe in dem Streichquartett, Leverkühns esoterischstem Werkvielleicht, das dem Ensemblestück auf dem Fusse folgte. Wennsonst Kammermusik den Tummelplatz thematisch-motivischerArbeit abgibt, so ist diese hier geradezu provokatorisch