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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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weis, wie schwer es dem Menschen falle, über seinen gegen-wärtigen Zustand hinauszudenken, den er immer, gefühlsmässig,wenn auch gegen die Vernunft, als sein bleibendes Los anzu-sehen geneigt sei, unfähig, sozusagen, um die nächste EckeZusehen, was vielleicht noch mehr für arge, als für glückli-che Zustände gelte. Seine Abspannung sei nur zu erklärlichdurch die grausamen Enttäuschungen, die er jüngst erlitten.Und ich war schwach und "poetisch" genug, die Brache seinesGeistes mit der "winterlich ruhenden Erde" zu vergleichen,in deren Schoss das Leben, neues Spriessen vorbereitend, sichheimlich fortrege, - ein, wie ich selber fühlte, unerlaubtgutmütiges Bild, das schlecht auf den Extremismus seinesDaseins, den Wechsel von schöpferischer Entfesselung und ab-büssender Lähmung passte, dem er unterworfen war. Auch gingja ein neues Tief seiner Gesundheit, mehr als Begleitung,denn als Ursache wirkend, mit der Stagnation seiner schöp-ferischen Kräfte zusammen: Schwere Migräneanfälle hieltenihn im Dunkel, Magen-, Bronchial- und Rachenkatarrhe setz-ten ihm namentlich während des Winters 1926 wechselnd zuund hätten allein genügt, ihm die Reise nach Frankfurt zuverwehren, - wie sie ihm eine andere, menschlich gesehennoch dringlichere, unwidersprechlich, handgreiflich und nachdem kategorischen Spruch des Arztes verwehrten.

Gleichzeitig nämlich fast auf den Tag - es ist sonderbarzu sagen - segneten gegen Ende des Jahres Max Schweigestillund Jonathan Leverkühn, beide 75jährig, das Zeitliche, - derVater und Vorsteher von Adrians langjährigem oberbayrischemGast-Haushalt und sein eigener Vater droben auf Hof Buchei.Das mütterliche Telegramm, das ihm das sanfte Verscheidendes "Speculierers" meldete, traf ihn an der Bahre des eben-falls still-gedankenvollen Schmauchers mit anderem Dialekt,der die Last der Wirtschaft längst mehr und mehr dem ErbsohneGereon überlassen hatte, wie jener sie seinem Georg mochte

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