und bog sich selber vor boyischem lachen.
Seine galgenhumoristische Gesellschaft war dem Einsamendamals gerade recht, und ich, leider unbegabt, ihm das Komi-sche zu bieten, tat das Meine, ihm diese Gesellschaft zu ver-schaffen, indem ich den meistens widerspenstigen Rüdiger zuBesuchen in Pfeiffering ermunterte. Adrians leben war näm-lich während dieses ganzen Jahres leer von Arbeit: Ideenlosig-keit, Reglosigkeit des Geistes hatten ihn, äusserst quälend,demütigend und ängstigend für ihn, wie aus seinen Briefen anmich hervorging, befallen und bildeten, wie er wenigstensmir erklärte, einen Hauptgrund für seine Absage nach Frank-furt. Unmöglich sei es, sich mit Getanem abzugeben im Zu-stande der Unfähigkeit, ein Besseres zu tun. Die Vergangen-heit sei nur erträglich, wenn man sich ihr überlegen fühle,statt sie im Bewusstsein gegenwärtiger Ohnmacht blöde bestau-nen zu müssen. "Öde, fast blöde" nannte er in Briefen, dieer an mich nach Freising richtete, seine Verfassung, eine"Hundeexistenz", ein "erinnerungsloses Pflanzendasein von un-erträglicher Idyllik", dessen Beschimpfung die einzige, kläg-liche Ehrenrettung sei, und das ihn dahin bringen könnte,neuen Krieg, Revolution oder dergleichen äusseren Lärm zuerwünschen, tun nur dem Stumpfsinn entrissen zu werden. VomKomponieren habe er buchstäblich nicht die geringste Vorstel-lung mehr, nicht mehr die schwächste Erinnerung, wie mandas mache, und glaube zuversichtlich, dass er nie mehr eineNote aufschreiben werde. "Möge die Hölle sich meiner erbar-men", "Bete für meine arme Seele!" - solche Wendungen wieder-holten sich in diesen Dokumenten, die, mit wieviel Betrübnissie mich erfüllten, mich doch auch wieder erhoben, da ichmir sagte, dass nun doch einmal nur ich, der Jugendgespiel,und sonst niemand in der Welt, den Empfänger solcher Bekennt-nisse abgeben konnte.
In meinen Antworten suchte ich ihn zu trösten mit dem Hin-
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