Pfeiffering in ihrem sehr persönlichen, aus Französisch undBayrisch gemischten Dialekt darüber berichtete. Besondersgern sah er damals die elegante Bäuerin bei sich: sie besassfür ihn nun einmal eine wohltätig beruhigende Gegenwart, eineArt von beschützender Kraft, und tatsächlich habe ich ihnmit ihr in einem Winkel der Abtsstube Hand in Hand sitzensehen, schweigend und wie geborgen. Dies Hand in Hand sahihm nicht gleich, es war eine Veränderung, die ich mit Rührungsogar mit Freude, aber auch nicht ganz ohne Ängstlichkeitwahrnahm.
Mehr als je liebte er es zu jener Zeit auch, RüdigerSchildknapp, den Gleichäugigen, um sich zu haben. Zwar kargteder mit sich nach alter Art; wenn er aber, ein abgerissenerGentleman, sich einfand, so war er bereit zu den weiten Gän-gen über Land, die Adrian liebte, besonders wenn er nichtarbeiten konnte, und die Rüdiger ihm mit bitterlicher, und grotesker Komik würzte. Arm wie eine Kirchenmaus, hatte er da-mals viel mit seinen vernachlässigten und verfallenden Zäh-nen zu tun und erzählte von nichts als treulosen Zahnärzten,die sich den Anschein gegeben hatten, ihn aus Freundschaftzu behandeln, dann aber plötzlich unerschwingliche Forderun-gen stellten, von AbzahlungsSystemen, versäumten Terminen,nach denen er gezwungen gewesen war, wieder einen anderenHelfer, wohl wissend, dass er ihn nie werde befriedigen kön-nen und wollen, in Anspruch zu nehmen und dergleichen mehr.
Man hatte ihm unter Qualen eine umfangreiche Brücke auf ver-bleibende schmerzende Wurzeln gepresst, die binnen kurzemunter der Last zu wanken begannen, sodass die makabre Auflö-sung des Kunstbaues, deren Folge die Kontrahierung neuer, niezu gleichender Schulden sein würde, sich ankündigte. "Es-bricht-zusammen", verkündete er schaurig, hatte aber nichtnur nichts dagegen, wenn Adrian Tränen lachte über all diesElend, sondern schien es eben hierauf abgesehen zu haben