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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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XLXII

Meine Erzählung eilt ihrem Ende zu - das tut alles. Allesdrängt und stürzt dem Ende entgegen, in Endes Zeichen stehtdie Welt, - steht darin wenigstens für uns Deutsche, derentausendjährige Geschichte, widerlegt, ad absurdum geführt,als unselig verfehlt, als Irrweg erwiesen, durch dieses Er-gebnis, ins Nichts, in die Verzweiflung, in einen Bankerottohne Beispiel, in eine von donnernden Flammen umtanzte Höl-lenfahrt mündet. Wenn es wahr ist, was der deutsche Spruchwahrhaben will, dass ein jeder Weg zu rechtem Zwecke auchrecht ist in jeder seiner Strecken, so will eingestanden sein,dass der Weg, der in dies Unheil ging - und ich gebrauchedas Wort in seiner strengsten, religiösesten Bedeutung -heillos war überall, an jedem seiner Punkte und Wendungenso bitter es die liebe ankommen mag, in diese Logik zu wil-ligen. Die unvermeidliche Anerkennung der Heillosigkeit istnicht gleichbedeutend mit der Verleugnung der Liebe. Ich,ein schlichter deutscher Mann und Gelehrter, habe viel Deut-sches geliebt, ja, mein unbedeutendes, aber der Faszinationund Hingabe fähiges Leben war der Liebe, der oft verschreck-ten, der immer bangen, aber in Ewigkeit getreuen Liebe zueinem bedeutend deutschen Menschen- und Künstlertum geweiht,dessen geheimnisvolle Sündhaftigkeit und schrecklicher Abschiednichts über diese Liebe vermögen, welche vielleicht, werweiss, nur ein Abglanz der Gnade ist.

Eingezogen, in Erwartung des Verhängnisses, über dessenErfüllung der Mensch nicht hinausziidenken vermag, halte ichmich in meiner Freisinger Klause und meide den Anblick unse-res grässlich zugerichteten München, der gefällten Statuen,der aus leeren Augenhöhlen blickenden Fassaden, die das hin-ter ihnen gähnende Nichts verstellen, aber geneigt scheinen,

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