Druckschrift 
Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
Seite
668
Einzelbild herunterladen
 

im Erdgeschoss herauszuklingeln. Der Arzt, ein jüngerer Mann,der sich allen vorstellte, versuchte, als man den Bewusstlo-sen auf ein Sofa gebettet, erste Hilfe zu leisten. Das Sani-tätsautomobil war überraschend schnell zur Stelle. Rudolfstarb, wie der Arzt es mir nach der Untersuchung gleich alsleider wahrscheinlich bezeichnet, auf dem Wege zum städti-schen Krankenhaus.

Für mein Teil schloss ich mich den später eintreffendenPolizeibeamten und ihrer nun krampfhaft schluchzenden Arre-stantin an, um den Kommissar mit ihren Bewandtnissen bekanntzu machen und ihre Einlieferung in die Psychiatrische Klinikzu befürworten. Es wurde dies jedoch für die heutige Nachtnicht mehr bewilligt.

Von den Kirchen schlug es Mitternacht, als ich dies Amtverliess und mich, nach einem Auto Ausschau haltend, zu einemnoch übrig bleibenden sauren Gange aufmachte: dem in diePrinzregentenstrasse. Ich betrachtete es als meine Oblie-genheit, den kleinen Gatten, so schonend ich konnte, von demVorgefallenen zu verständigen. Eine Fahrgelegenheit bot sicherst, als es nicht mehr lohnte, sie wahrzunehmen. Ich fanddie Haustür verschlossen, aber auf mein Schellen ging dasTreppenlicht an, und Institoris selbst kam herunter, - umstatt seiner Frau mich vor dem Tore zu finden. Er hatteeine Art, den Mund nach Luft schnappend zu öffnen und dabei dieUnterlippe fest an die Zähne zu ziehen.

- Ja, wie denn? stammelte er. - Sie sind es? Was führtSie... Haben Sie mir...

Ich sagte auf der Treppe fast nichts. Droben in seinemWohnzimmer, dort, wo ich Ines* beklemmende Bekenntnisse ent-gegengenommen, berichtete ich ihm nach einigen vorbereitendenWorten, was ich mitangesehen. Er hatte gestanden und setztesich rasch in einen der Korbsessel, als ich aüsgeredet, be-wies dann aber die Fassung eines Mannes, der längst in drük-

668