Druckschrift 
Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
Seite
662
Einzelbild herunterladen
 

scher, die Binder-Majoresku und andere mehr, die alle gewissnicht zuletzt mit dem Wunsche gekommen waren, Rudi Schwerdt-feger, links vorn an seinem Pult, als Bräutigam zu sehen.Übrigens war seine Verlobte nicht anwesend - schon nach Pariszurückgekehrt, wie man hörte. Ich machte Ines Institorismeine Verbeugung. Sie war allein, das heisst: in Gesellschaftder Knöterichs, ohne ihren Mann, der unmusikalisch war undden Abend in der "Allotria” verbringen mochte. Sie sass ziem-lich weit zurück im Saal, in einem Kleide, dessen Einfachheitder Dürftigkeit nicht fern war, - das Hälschen schräg vor-geschoben, mit erhobenen Augenbrauen, das Hündchen in fatalerSchalkhaftigkeit gespitzt, und ich konnte mich, als sie someinen Gruss erwiderte, des ärgerlichen Eindrucks nicht erweh-ren, als lächelte sie immer noch in boshaftem Triumph darü-ber, dass sie bei jenem langen abendlichen Gespräch in ihremWohnzimmer meine Geduld und Teilnahme so trefflich ausgebeu-tet hatte.

Was Schwerdtfeger betraf, so blickte er, wohl wissend,wievielen neugierigen Augen er begegnen würde, während desganzen Abends kaum in den Saal. Zu Zeiten, wo er es hättetun mögen, behorchte er sein Instrument oder blätterte inseinen Noten. Den Schluss der Darbietungen, nun ja, bildetedas Meistersinger-Vorspiel, breit und lustig gespielt, undder ohnedies laut prasselnde Beifall hob sich noch merklich,als Ferdinand Edschmidt das Orchester aufstehen liess undseinem Konzertmeister dankend die Hand reichte. Ich war, alsdieser Akt sich abspielte, schon oben im Mittelgang, besorgtum meine Garderobe, die ich mir bei noch geringem Zudrangzu den VerwahrungsStätten ausfolgen liess. Meine Absichtwar, wenigstens einen Teil meines Heimweges, das heisst desWeges zu meinem Schwabinger Absteigequartier, zu Puss zurück-zulegen. Vor dem Konzertgebäude traf ich mit einem Herrndes Kriedwies-Kreises, Professor Gilgen Holzschuher, dem

662