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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Dürer-Mann, zusammen, der auch im Saal gewesen war. Er ver-wickelte mich in ein Gespräch, das von seiner Seite mit ei-ner Kritik des Programms von heute Abend begann: Diese Zusam-menstellung von Berlioz und Wagner, von welschem Virtucsen-und deutschem Meistertum sei eine Geschmackslosigkeit, dieüberdies nur schlecht eine politische Tendenz verberge. All-zu sehr sehe sie nach deutsch-französischer Verständigungund Pazifismus aus, wie denn dieser Edschmidt als Republi-kaner und als national unzuverlässig bekannt sei. Der Gedan-ke habe ihn den ganzen Abend gestört. Leider sei eben heutealles Politik, es gebe keine geistige Reinheit mehr. Umdiese wiederherzustellen, müssten vor allem einmal an derSpitze grosser Orchester Männer von unzweifelhaft deutscherGesinnung stehen.

Ich sagte ihm nicht, dass ja er es sei, der die Dingepolitisiere, und dass das Wort "deutsch" heute keineswegsgleichsinnig mit geistiger Reinheit, sondern eine Partei-Pa-role sei. Ich machte nur geltend, dass eine gute Menge Vir-tuosentums, welsch oder nicht, doch auch in Wagners inter-national sowohlgelittener Kunst einschlägig sei - und lenk-te ihn dann wohltätig ab, indem ich auf einen Artikel überProportionsprobleme der gothi'schen Architektur zu sprechen kam,den er kürzlich in der Zeitschrift "Kunst und Künstler" ver-öffentlicht hatte. Die Höflichkeiten, die ich ihm darübersagte, machten ihn ganz glücklich, weich, unpolitisch undheiter, und ich benutzte diesen seinen gebesserten Zustand,um mich von ihm zu trennen und meinen Weg nach rechts ein-zuschlagen, während er links ging.

Bald hatte ich von der oberen Türkenstrasse her den Ode-onsplatz, die Ludwigstrasse erreicht und verfolgte die stil-le Monumental-Chaussee (seit Jahren freilich durchaus asphal-tiert) auf ihrer linken Seite gegen das Siegestor. Der Abendwar bedeckt und sehr mild, mein Wintermantel drückte mich

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