unterdrückten, die treulich heherrechten Gefühle zu freiem,ja zu jubelndem Durchbruch kämen, sobald sich herausstelle,dass der andere nun einmal keine Aussicht auf Erhörung habe.
Er bitte sie um Verzeihung für einen Verrat, den er an nie-mandem als sich selbst begangen. Er könne ihn nicht bereuen,aber es mache ihn überglücklich, dass es nun an niemandem mehreinen Verrat bedeute, wenn er ihr sage, dass er - sie liebe.
In dieser Art. Gamicht ungeschickt. Beschwingt vonFlirt-Begeisterung und, wie ich glaube, geschrieben nicht ein-mal in dem klaren Bewusstsein, dass, nach seiner Werbungfür Adrian, die Liebeserklärung mit dem Ehe-Antrag verbun-den blieb, auf den sein Flirt-Kopf von selbst nie verfallenwäre. Den Brief las Tante Isabeau Marien vor, die ihn nichthatte annehmen wollen. Rudolf erhielt keine Antwort darauf.Als er sich aber, nur zwei Tage später, durch das Zimmermäd-chen der Pension Gisella bei der Tante melden liess, wurdeer nicht abgewiesen. Marie war in der Stadt. Sie habe,verriet ihm die alte Dame mit schalkhaftem Vorwurf, nachseinem vorigen Besuch an ihrem Busen ein Tranchen vergossen.Was meiner Meinung nach erfunden war. Die Tante selbst beton-te den Stolz ihrer Wichte. Sie sei ein tief empfindendes,aber stolzes Mädchen. Bestimmte Hoffnung auf die Gelegen-heit zu einer neuen Unterredung könne sie ihm nicht machen.Aber soviel möge er wissen, dass sie sich es nicht verdrie-ssen lasse, Marien die Ehrenhaftigkeit seiner Handlungsweisevor Augen zu führen.
Hach abermals zwei Tagen war er wieder da. Mme. Ferblan-tier - dies der Name der Tante, sie war eine Witwe - begabsich zu ihrer Nichte hinein. Sie blieb dort geraume Zeit,doch endlich kam sie wieder und gewährte ihm mit einem ermu-tigenden Blinzeln den Eintritt. Natürlich trug er Blumen.
Was soll ich weiter sagen? Ich bin zu alt und zu traurig,um eine Szene auszumalen, an deren Einzelheiten auch niemandem
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