Er sah blass aus und machte den Eindruck eines Menschen, dereinen schweren Schlag empfangen, - wirkte so besonders dadurch,dass eine Neigung, die ich freilich schon seit einiger Zeitbei ihm beobachtet, nämlich, beim Gehen Kopf und Oberkörperetwas zur Seite hängen zu lassen, auffallender hervortrat.
Doch war er, oder gab sich, vollkommen ruhig, ja kalt, undschien fast das Bedürfnis zu haben, sich wegen dieser ach-selzuckenden, von oben auf den an ihm begangenen Verrat herab-blickenden Gelassenheit bei mir zu entschuldigen.
- Ich denke, sagte er, - du hast keine moralischen Ent-rüstung s- und Wutausbrüche von mir gewärtigt. Ein ungetreuerFreund. Was weiter? Ich bringe nicht viel Empörung aufgegen den Lauf der Welt. Es ist zwar bitter, und man fragtsich, wem man noch trauen soll, wenn "unsere rechte Hand sichgegen unsere Brust kehrt. Aber was willst du? So sind Freun-de jetzt. Yfas mir bleibt ist Scham - und die Einsicht, dassich Prügel verdiene.
Ich wollte wissen, wessen er sich zu schämen habe.
- Eines Benehmens, antwortete er, - so albern, dass esmich lebhaft an das eines Schuljungen erinnert, der vor lau-ter Freude über ein gefundenes Vogelnest es einem andren zeigt,
- und der geht hin und stieüt’s ihm weg.
Was sollte ich wohl sagen, als:
- Du wirst aus Zutrauen keine Sünde und Schande machen.
Die sind doch wohl beim Diebe.
Hätte ich seinen Selbstvorwürfen nur mit mehr Überzeugungbegegnen können! Indessen musste ich sie in meinem Herzen bestäti-gen, denn sein Verhalten,diese ganze Veranstaltung mit der Fürspra-che, der Werbung, ausgerechnet durch Eudolf, essachien mir gesucht,gekünstelt, sträflich, und ich brauchte mir nur vorzustellen,ich hätte dereinst zu meiner Helene, statt meine eigene Zun-ge zu brauchen, einen attraktiven Freund geschickt, damit erihr mein Herz eröffne, - um der ganzen rätselhaften Absurdität
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