Druckschrift 
Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
Seite
643
Einzelbild herunterladen
 

hielt Schildknapp sich zuweilen gedämpft; ich versichertemich im Gespräch mit Schwerdtfeger, dass er nichts übelge-nommen habe, und Adrian befragte Helenen nach alltäglichenDingen. Gegen alle Erwartung und zu meiner stillen, fastheiteren Rührung verliess er uns nicht in Waldshut, sondernwollte es sich nicht nehmen lassen, unsere Gäste, die Pari-ser Damen, nach München zurück und heimzubegleiten. AmHauptbahnhof verabschiedeten wir anderen alle uns von ihnenund ihm und gingen unserer Wege, während er Tante und Eichtein einer Taxidroschke vor ihre Schwabinger Pension brachte,

- ein Akt der Ritterlichkeit, der in meinen Gedanken denSinn annahm, dass er die letzte Heige des Tages nur noch inGesellschaft der schwarzen Augen allein verlebte.

Erst der gewohnte 11 Uhr-Zug trug ihn in seine bescheide-ne Einsamkeit zurück, wo er denn von Weitem schon mit demüber-hohen Pfeifchen den wachsam schweifenden Kaschperl-Susovon seinem Kommen verständigte.

XLI

Meine teilnehmenden Leser und Freunde, - ich fahre fort.Über Deutschland schlägt das Verderben zusammen, im Schutt-unserer Städte hausen, von Leichen fett, die Ratten, der Don-ner der russischen Kanonen rollt gegen Berlin, der Rhein-Übergang der Angelsachsen war ein Kinderspiel, unser eigenerWille, der sich mit dem des Feindes vereinigt, scheint ihndazu gemacht zu haben, das Ende kommt, es kommt das Ende, esgehet schon auf und bricht daher über dich, du Einwohnerdes Landes, - aber ich fahre fort. Was nur zwei Tage nachdem geschilderten, mir denkwürdigen Ausflug zwischen Adrianund Rudolf Schwerdtfeger sich abspielte, und wie es sich

643