sich allerdings seine Miene immerfort etwas lustig machte,mit einem enigmatischen Lächeln, das fern davon war, mich inmeiner Stellvertreterschaft unbedingt zu bestätigen.
- Was ist Wahrheit, sagte er schliesslich. Und raschfiel Rüdiger Schildknapp ihm bei, indem er aufstellte, dass dieWahrheit verschiedene Aspekte habe, und dass in einem Pallwie diesem der medizinisch-naturalistische Aspekt zwar viel-leicht nicht der superiorste sei, aber doch auch nicht alsganz -ungültig abgewiesen werden könne. In der naturalistischenWahrheitsanschauung, fügte er hinzu, vereinige sich merkwür-digerweise das Platte mit dem Melancholischen, - was keinAngriff auf "unsern Rudolf” sein solle, der jedenfalls keinMelancholiker sei, aber es könne als Kennzeichnung einerganzen Epoche gelten, des neunzehnten Jahrhunderts, dem eineentschiedene Neigung zu platter Düsternis eigen gewesen sei,Adrian lachte auf - nicht vor Überraschung, natürlich. Manhatte in seiner Gegenwart stets das Gefühl, dass alle Ideenund Gesichtspunkte, die um ihn herum laut wurden, in ihm ver-sammelt waren, und dass er, ironisch zuhörend, es den ein-zelnen menschlichen Verfassungen überliess, sie zu äussernund zu vertreten. Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben,dass das jugendliche zwanzigste Jahrhundert eine gehobenereund geistesheiterere LebensStimmung entwickeln möge. In ab-gerissenen Erörterungen der Präge, ob es dafür Anzeichen gä-be oder nicht, zersplitterte sich das Gespräch und ermüdete.Überhaupt machte Ermüdung nach all den regsam,in winterlicherBergluft verbrachten Stunden sich geltend. Das Kursbuchsprach sein Wort, man rief nach dem Kutscher, und unter einemHimmel, der sich glänzend ausgestirnt hatte, führte uns derSchlitten zu der kleinen Station, auf deren Perron wir denMünchener Zug erwarteten.
Die Heimfahrt verlief eher still, aus Rücksicht schonauf das eingeschlummerte Tantchen. Mit ihrer Nichte unter-
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