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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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10 Uhr am Zuge im Münchener Hauptbahnhof zusammenfanden.

Ohne den Freund,vorläufig, legten wir die erste Fahrstundedurch das noch flache, gefrorene Land zurück. Sie wurdeuns verkürzt durch ein Frühstück von belegten Broten undTiroler Rotem, das meine Helene vorbereitet hatte, und bei .dem Schildknappe humoristisch zur Schau gestellter Eifer,nicht zu kurz zu kommen, uns viel zu lachen gab. "GebtKnappi", sagte er, (so nannte er anglisierend sich selbstund wurde auch allgemein so genannt) "gebt Knappi nicht knapp!"Seine natürliche, unverhohlene und spasshaft unterstricheneLust am Mitzehren war unwiderstehlich komisch. "A, schmeckstdu prächtig!" ächzte er mit glitzernden Augen, ein Zungen-brot kauend. Und dabei waren seine Scherze ganz unverkenn-bar in erster Linie für Mlle. Godeau bestimmt, die ihm na-türlich so gut gefiel wie uns allen. Sie nahm sich höchstvorteilhaft aus in dem olivfarbenen, mit schmalen braunenPelzstreifen verbrämten Winterkostüm, das sie trug, und miteiner gewissen Folgsamkeit meines Gefühls - einfach weilich wusste, was'an der Reihe war - entzückte ich mich wiederund wieder im Anschauen ihrer schwarzen Augen, diesem pech-kohlenhaften und dabei heiteren Glanz in der Dunkelheit derWimpern.

Als Adrian, von der Corona mit dem Übermut unternehmenderLeute begrüsst, in Waldshut zu -uns stieg, erfuhr ich einenseltsamen Schrecken - wenn dies Wort meine Empfindungen trifft.Jedenfalls war etwas von Schrecken darin einschlägig. Erstjetzt nämlich wurde mir bewusst, dass in dem Abteil, das wirbesetzt hielten, auf engen Raum also, (wenn es auch keinCoup6, sondern die offene Sektion eines durchgehenden Wag-gons zweiter Klasse war) die schwarzen, die blauen und diegleichen Augen, Anziehung und Indifferenz, Erregung und Gleich-mut, unter seinen Augen beisammen waren, und dass sie bei-sammen bleiben würden während dieses ganzen Ausflugtages,

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