seines Verweilens ganz wohl zu behagen, wobei ich wieder ein-mal mit stiller Heiterkeit beobachtete, mit welcher unwill-kürlichen, rational bei den Wenigsten recht begründeten Zu-vorkommenheit und mehr oder weniger scheuen Ehrerbietungman dem doch erst 39jährigen in Gesellschaft begegnete.
Die Erscheinung, sage ich, erheiterte mich - und ergriff meinHerz auch wieder auf eine beklemmend-sorgenvollere Weise;denn der Grund für das Verhalten der Leute war ja die Atmosphä-re unbeschreiblicher Fremdheit und Einsamkeit, die ihn inwachsendem Mass - in diesen Jahren immer fühlbarer und di-stanzierender - umgab, und die einem wohl das Gefühl gebenkonnte, als käme er aus einem Lande, wo sonst niemand lebt.
Diesen Abend, wie gesagt, gab er sich recht bequem und ge-sprächig, woran ich Bullingers mit Angostura gewürztem Cham-pagner-Cocktail und seinem wundervollen Pfälzer einiges Ver-dienst zuschreibe. Er unterhielt sich mit Spengler, dem esschon recht schlecht ging (sein Leiden hatte sich aufs Herzgeworfen) und belachte, wie wir alle, die Clownereien LeoZinks, der sich bei Tische, zurückgelehnt, mit seiner rie-sigen Damast-Serviette wie mit einem Bettlaken bis zu sei-ner grotesken Nase zudeckte und friedlich die Hände darüberfaltete. Noch mehr erheiterte ihn die Fertigkeit des Spass-machers, sich bei der Vorführung eines Stillebens von Bul-linger, der in Öl dilettierte, um jedes Urteil zu drückenund ein solches auch uns anderen zu ersparen, indem er dasgut gemeinte Stück Malerei mit tausend Jessas-Rufen, die dasVerschiedenste Bedeuten konnten, von allen Seiten betrach-tete und es einmal sogar umdrehte. Übrigens war dieses Sichergehen in erstaunten und zu nichts verpflichtenden Ausrufenauch die Technik des im Grunde nicht angenehmen Mannes, sichan Gesprächen zu beteiligen, die seinen Kunstmaler- und Kar-nevalisten-Horizont überschritten, und eine Weile übte ersie sogar bei der einen ästhetisch-moralischen Fragenbezirk