Stillen fragt ihr alle so, aus blosser Höflichkeit und mehrzum Schein nehmt ihr von einander Kenntnis, - wenn ihr Kennt-nis nehmt von einander. Wolf, Brahms und Bruckner lebtenJahre lang in derselben Stadt, nämlich Wien, mieden sichaber wechselseitig die ganze Zeit, und keiner, soviel ichsehe, ist je dem andern begegnet. Es wäre ja auch peniblegewesen, bei ihren Urteilen übereinander. Urteile kritischerKollegialität waren das nicht, sondern solche der Wegleug-nung, des aneantissement, um allein zu sein. Brahms hieltvon Bruckners Symphonieen so wenig wie möglich} er nanntesie unförmliche Riesenschlangen. Umgekehrt war BrucknersMeinung von Brahms äusserst gering. Er fand das erste Themades D-moll-Konzerts recht gut, stellte aber fest, dass Brahmsnie wieder etwas annähernd Gleichwertiges erfunden habe.
Ihr wollt nichts von einander wissen. Für Wolf bedeuteteBrahms le dernier ennui. Und haben Sie je seine Kritik derSiebenten von Bruckner im Wiener "Salonblatt" gelesen? Manhat da seine Meinung über die Bedeutung des Mannes überhaupt.Er warf ihm "Mangel an Intelligenz" vor - avec quelque raison,denn Bruckner war ja, was man ein einfaches, kindlichesGemüt nennt, versunken in seine majestätische Generalbass-Musik und ein kompletter Idiot in allen Dingen europäischerBildung. Stösst man aber auf gewisse briefliche Äusserungenvon Wolf über Dostojewsky, qui sont simplement stup£fiants,so fragt man sich nach der Formung seines eigenen Geistes.
Den Text zu seiner nicht mehr vollendeten Oper "Manuel Vene-gas", den ein gewisser Dr. Hömes hergestellt hatte, nannteer ein Wunderwerk, shakespearisch, den Gipfel der Poesie,und wurde geschmacklos bissig, wenn Freunde ihre Zweifel aus-drückten. Nicht genug damit übrigens, dass er einen Hymnusfür Männerchor: "Dem Vaterland" komponierte, so wollte erihn auch dem deutschen Kaiser widmen. Wie finden Sie das?
Das Immediat-Gesuch wurde abgewiesen! Tout cela* est un peu
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