den geläufigsten Schimpfruf von damals einzusetzen: der Vor-wurf des "Kultur-Bolschewismus" mit Erbitterung laut gewordehwäre. Aber das Werk und das Wagnis seiner Darbietung fandenintelligente des Wortes mächtige Verteidiger, und diesergute Mut, der, weit- und freiheitsfreundlich, um das Jahr1927 auf seine Höhe kam, dies Widerspiel zur nationalistisch-wagnerisch-romantischen Reaktion, wie sie namentlich in Mün-chen zu Hause war, bildete durchaus auch schon ein Elementunseres öffentlichen Lebens in der ersten Hälfte des Jahrzehnts,- wobei ich an kulturelle Vorkommnisse denke wie das Tonkünst-lerfest in Weimar vom Jahre zwanzig und das erste Musikfestzu Donaueschingen im folgenden Jahr. Bei beiden Gelegenheitenwurden - leider in des Komponisten Abwesenheit -vor einem keineswegs unempfänglichen, ich möchte sagen: künst-lerisch-" republikanisch" gesinnten Publikum, neben anderenBeispielen einer neuen geistig-musikalischen Haltung auchWerke Leverkühns geboten: in Weimar die Kosmische Symphonieunter der rhythmisch besonders zuverlässigen Leitung BrunoWalters, an dem badischen Pestort, in Verbindung mit HansPlatners berühmtem Marionettentheater, alle fünf Stücke der"Gesta Romanorum", - ein das Gemüt zwischen frommer Rührungund Gelächter wie nie zuvor hin und her reissendes Erlebnis.
Gedenken aber auch will ich des Anteils, den deutscheKünstler und Kunstfreunde an der Gründung der "Internatio-nalen Gesellschaft für neue Musik" im Jahre zweiundzwanzighatten, und der Veranstaltungen dieses Verbandes zwei Jahrespäter in Prag, wobei schon Chor- und Instrumentalfragmenteaus Adrians "Apocalipsis cum figuris" vor einer mit berühm-ten Gästen aus allen Musikländern stark durchsetzten Hörer-schaft erklangen. Das Werk war damals bereits im Druck er-schienen, und zwar nicht, wie Leverkühns frühere Arbeiten,hei Schott in Mainz, sondern im Rahmen der "Universal-Editi-onen" in Wien, deren noch jugendlicher, kaum dreissigjähriger,
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