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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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kehrte der Ausdruck der Vernunft zurück, und eine Epocheseelischer Erholung, des gesellschaftlichen Fortschritts inFrieden und Freiheit, der mündigen und zukunftsgewilltenkulturellen Bemühtheit, der gutwilligen Angleichung unseresFühlens und Denkens ans Welt-Normale schien uns Deutschenzu dämmern. Unzweifelhaft, dies war, trotz aller eingebore-nen Schwäche und Antipathie gegen sich selbst, der Sinn, dieHoffnung der deutschen Republik, - ich meine wiederum: dieHoffnung, die sie den Fremden erweckte. Sie war ein Versuch,ein nicht ganz und gar aussichtsloser Versuch (der zweite nachdem fehlgeschlagenen Bismarcks und seines Einigungskunst-stücks), zur Normalisierung Deutschlands im Sinne seinerEuropäisierung oder auch "Demokratisierung", seiner geisti-gen Einbeziehung in das gesellschaftliche Leben der Völker.

Wer will leugnen, dass viel guter Glaube an die Möglichkeitdieses Prozesses in den anderen Ländern lebendig war, - undwer bestreiten, dass eine hoffnungsvolle Bewegung, in dieserRichtung unter uns, in Deutschland, überall im Lande, mit Aus-nahme eines und des anderen verstockten Punktes, wie exem-plarischer Weise unserer guten Stadt München, - tatsächlichfestzustellen war?

Ich spreche von den Zwanziger Jahren des Jahrhunderts,besonders natürlich von ihrer zweiten Hälfte, die in allemErnst eine Verschiebung des kulturellen Brennpunktes vonFrankreich nach Deutschland brachte, und für die es denn dochin hohem Grade kennzeichnend war, dass in ihr, wie erwähnt,die Erstaufführung, genauer: die erste vollständige Auffüh-rung von Adrian Leverkühns apokalyptischem Oratorium sichereignete. Selbstverständlich geschah das, obgleich derSchauplatz Frankfurt, einer der gutwilligen, freimütigstenStadtcharaktere des Reiches war, nicht ohne zornigen Wider-spruch, nicht ohne dass der Vorwurf der Kunstverhöhnung,des Nihilismus, des musikalischen Verbrechertums, oder, um

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