sei, werde sie (noch dazu auf fremdem Staatsgebiet geborgen)schon Mittel und Wege finden, dem Erpresser die Stirn zu bie-ten. Es kam nicht dazu. Offenbar hatte ihr Quäler beschlos-sen, es zu der Heirat nicht erst kommen zu lassen. Ein ano-nymer Brief, von Clarissas Liebhaber in der dritten Personhandelnd, tat sein Werk in der Strassburger Familie, beiHenri selbst. Er sandte ihr den Text - zur Rechtfertigung,wenn solche möglich war. Sein Begleitbrief liess nicht ebeneine unerschütterlichste Glaubensstärke der Liebe erkennen,die er für sie trug.
Clarissa empfing die eingeschriebene Sendung in Pfeiffe-ring, wo sie nach Schluss der Pforzheiner Theater-Saisonfür ein paar Wochen im Häuschen ihrer Mutter, hinter denKastanien, zu Gast war. Es war früher Nachmittag. Die Sena-torin sah ihr Kind im Geschwindschritt von einem Spaziergangzurückkehren, den sie nach Tische auf eigene Hand unternom-men. Auf dem kleinen Vorplatz des Hauses eilte Clarissa miteinem flüchtig-wirren und blinden Lächeln an ihr vorüber inihr Zimmer, dessen Schlüssel sich hinter ihr kurz und ener-gisch im Schlosse drehte. In ihrem eigenen Schlafzimmer,nebenan, hörte die alte Dame die Tochter nach einer Weileam Waschtisch mit Wasser gurgeln, - wir wissen heute, dassdies zur Kühlung der Verätzungen geschah, die die furchtbareSäure ihr im Schlunde verursacht. Dann trat Stille ein, - dieunheimlich andauerte, als nach etwa zwanzig Minuten die Sena-torin bei Clarissa klopfte und sie bei Namen rief. Wie dring-lich sie dies wiederholte, so blieb die Antwort aus. DieGeängstigte, mit ihrem über der Stirn nicht mehr recht zuordnenden Haar und ihrer Zahnlücke, lief hinüber zum Haupt-gebäude und •unterrichtete mit gepressten Worten Frau Schwei-gestill. Die Vielerfahrene folgte ihr mit einem Knecht, dernach wiederholtem Rufen und Klopfen der beiden Frauen dasTürschloss sprengte. Clarissa lag mit offenen Augen auf dem
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