sie freizugeben, sie nicht zu nötigen, ihren Lebensfriedenmit dem Verrat an dem Manne zu bezahlen, der sie liebte,und dessen Liebe sie erwiderte. Eben dies Bekenntnis reizteden Unhold zur Grausamkeit. Er machte gar kein Hehl dar-aus, dass sie, indem sie sich ihm jetzt überliess, nur fürden Augenblick, nur fürs Nächste Ruhe gewann, die Reisenach Strassburg, die Verlobung erkaufte. Freigeben würdeer sie nie, sie immer wieder, nach seinem Belieben anhalten,sich ihm für sein Schweigen erkenntlich zu erweisen, das erbrechen würde, sobald sie sich der Erkenntlichkeit weigerte.Sie würde im Ehebruch zu leben haben, - das würde die ge-rechte Strafe für ihr Philistertum, für das sein, was derMensch ihr feiges Unterkriechen im Bürgerlichen nannte.
Ging es nicht weiter, kam ihr, auch ohne seine Hilfe, ihrMännchen auf die Sprünge, so blieb ihr immer die alles ord-nende Substanz, die sie von jeher in jenem dekorativen Gegen-stand, dem Buch mit dem Totenkopf, aufbewahrte. Nicht um-sonst sollte sie sich dem Leben durch den stolzen Besitzdes hippokratischen Heilmittels überlegen gefühlt, ihm ma-kabren Spott geboten haben, - einen Spott, der ihr besserzu Gesichte stand, als der bourgeoise Friedensschluss mitdem Leben, zu dem sie sich bereitfinden wollte.
Nach meiner Meinung hatte der Wicht es, ausser auf er-zwungene Lust, geradezu auf ihren Tod abgesehen. Seine in-fame Eitelkeit verlangte nach einer Prauenleiche auf seinemWege; es gelüstete ihn, dass ein Menschenkind, wenn nichtgerade für ihn, so doch von wegen seiner, sterbe und ver-derbe. Ach, dass Clarissa ihm den Gefallen tun musste!
Sie wusste es wohl, wie alles ging und stand, ich sehe esein, wir alle mussten es einsehen. Noch einmal willfahrtesie ihm, um vorläufig Ruhe zu gewinnen, und war damit mehrals je in seiner Hand. Sie rechnete wohl, wenn sie ersteinmal von der Familie angenommen, einmal mit Henri vermählt
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