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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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babylonischen Exils, den Gesichten und Lamentationen desHesekiel, zu denen übrigens das geheimnisvolle Sendschreibenvon Patmos, aus der Zeit Neros, im Verhältnis seltsamsterAbhängigkeit steht. So ist das "Verschlingen des Buches",das auch Albert Dürer kühnlich zum Gegenstand eines seinerHolzschnitte gemacht hat, fast wortgetreu von Hesekiel ent-liehen, bis auf die Einzelheit, dass es (oder der "Brief",darinnen Klage, Ach und Wehe geschrieben steht) im Mundedes gehorsamem Essenden so süss als Honig schmeckt. So auchist die grosse Erzhure, das Weib auf dem Tiere, bei derenSchilderung der Nürnberger sich heiterer Weise geholfen hat,indem er die mitgebrachte Portraitstudie einer venezianischenKurtisane dazu benutzte, bei Ezechiel sehr weitgehend undin ganz verwandten Wendungen vorgezeichnet. Tatsächlichgibt es eine apokalyptische Kultur, die den Ekstatikern biszu einem gewissen Grade feststehende Gesichte und Erlebnisseüberliefert, - so sehr es als psychologische Merkwürdigkeitanmuten mag, dass Einer nachfiebert, was andere vorgefiebert,und dass man unselbständig anleiheweise und nach Schabloneverzückt ist. Dennoch ist dies der Sachverhalt, und ichweise auf ihn hin im Zusammenhang mit der Feststellung, dassLeverkühn bei seinem inkommensurablen Chorwerk sich textlichkeineswegs an die Johannes-Apokalypse allein gehalten, son-den sozusagen jenes ganze seherische Herkommen, von dem ichsprach, in sein Werk hineingenommen hat , so dass es auf dieCreation einer neuen und eigenen Apokalypse, gewissermassenauf ein Resuml aller Verkündigungen des Endes hinausläuft.Der Titel "Apokalipsis cum figuris" ist eine Huldigung anDürer und will wohl auf das Visuell-Verwirklichende, dazudas Graphisch-Minutiöse, die dichte Gefülltheit des Raumesmit phantastisch-exakter Einzelheit betonen, die beiden Wer-ken gemeinsam sind. Aber es fehlt viel, dass Adrians unge-heueres Fresco den fünfzehn Illustrationen des Nürnbergers