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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Bingen. Waren es diese nicht, so war es eine Verdeutschungder "Historia Ecclesiastica gentis Anglorum" des gelehrtenMönches Beda Venerabilis, eines Werkes, in dem ein gut Teilder keltischen Jenseits-Phantasieen, der Visionserlebnisseaus irisch-angelsächsischer christlicher Frühzeit überliefertist. Dieses ganze ekstatische, das Gericht verkündende, dieFurcht vor ewiger Strafe pädagogisch schürende Schrifttumvon den vor- und frühchristlichen Eschatologieen, unter de-nen die Offenbarung des Johannes von Patmos nur ein paralle-lenreiches Beispiel ist, über jene Vermächtnisse aus demeuropäischen Norden bis zu den italienischen Urkunden der-selben Art, den Dialogen Gregors des päpstlichen Sangesmei-sters, und der Vision Alberichs, des Mönchs von Mantecassi-no, deren Einfluss auf Dante deutlich ist, - diese Literatur,sage ich, bildet eine überaus dichte, von wiederkehrendenMotiven erfüllte Überlieferungssphäre, in die Adrian sicheinschloss, um sich für ein Werk zu stimmen, das alle ihreElemente in einem Brennpunkt sammelt, sie in später künst-lerischer Synthese drohend zusammenfasst und nach unerbitt-lichem Auftrag der Menschheit den Spiegel der Offenbarungvor Augen hält, damit sie darin erblicke, was nahe herange-kommen.

"Das Ende kommt, es kommt das Ende, es ist erwacht überdich; siehe es kommt. Es gehet schon auf und bricht daherüber dich, du Einwohner des Landes." Diese Worte, die Lever-kühn seinen testis, den Zeugen, den Erzähler, in einer geister-haften, auf liegenden Fremd-Harmonieen ruhenden, aus reinenQuarten- und verminderten Quintenschritten gefügten Melodikverkünden lässt, und die dann den Text jenes kühn-archaischenResponsoriums abgeben, das sie in zwei vierstimmigen, gegeneinander bewegten Chören unvergesslich wiederholt, - dieseWorte gleich gehören garnicht der Johannes-Apokalypse an;sie entstammen einer anderen Schicht, der Prophetie des

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