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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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still ihm öfters vorlesen müssen, und zwar Dinge, die demfreundlichen Landmädchen sonderbar genug - und auch wiedernicht unpassend vom Munde gingen. Ich selbst hatte das guteKind bei Adrian in der Abtsstube getroffen, wie sie dem imBernheiner-Stuhl Ruhenden, ihrerseits sehr geraden Rückensim Savonarola-Sessel vor dem Schreibtisch sitzend in einemrührend schwerfälligen und gespreizt hochdeutschen Volksschul-Tonfall aus einem stockfleckigen Pappgebinde, das wohl eben-falls durch die findige Rosenstiel ins Haus gekommen war,die ekstatischen Erlebnisse der Mechthild von Magdeburg vor-las. Still hatte ich mich in den Winkel, auf die Eckbankgesetzt und noch eine Zeitlang mit Erstaunen diesem fromm-abseitigen und stümpemd-exzentrischen Vortrag gelauscht.

Da erfuhr ich denn, dass es öfters so war. In ihrer bäu-erlich keuschen Tracht, die von geistlicher Überwachung zeugte,einem Habit aus olivgrünem Wollstoff, dessen hochgeschlosse-ne, mit kleinen, dicht beieinanderstehenden Metallknöpfenbesetzte, die jugendliche Büste verflachende Taille in spit-zem Zipfel auf den weit angereihten und fusslangen Rock fiel,\md zu dem sie als einzigen Schmuck unter der Halsrüsche eineKette aus alten Silbermünzen trug, sass die braunäugige Maidbei dem Leidenden und las ihm mit litaneiender Schulmädchen-betonung aus Schriften vor, gegen die gewiss der Herr Pfar-rer nichts einzuwenden gehabt hätte: der früh-christlichenund mittelalterlichen Visionsliteratur und Jenseitsspekulati-on. Dann und wann steckte wohl Mutter Schweigestill denKopf durch die Tür, um nach der Tochter zu sehen, die sieallenfalls im Hause gebraucht hätte, nickte aber den beidenfreundlich billigend zu und zog sich wieder zurück. Oder siesetzte sich auch wohl für zehn Minuten neben die Tür aufeinen Stuhl, um zuzuhören, worauf sie geräuschlos wieder ver-*schwand. Waren es nicht die Entrückungen der Mechthild, dieGiementine rezitierte, so waren es die der Hildegard von

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