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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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wollte ich es hinlegen, dass den Leuten die Augen übergehen.Einverleiben wollte ich es mir, dass ich's im Schlafe spielenkönnte und es hegen und pflegen in jeder Note wie eine Mutter,denn Mutter wäre ich ihm, und Sie waren der Vater, - es wärezwischen uns wie ein Kind, ein platonisches Kind, - ja, un-ser Konzert, das wäre so recht die Erfüllung von allem, wasich unter platonisch verstehe." 1

So damals Schwerdtfeger. Ich habe in diesen Blätternmehrmals zu seinen Gunsten geredet, und auch heute, da ichdies alles wieder Revue passieren lasse, bin ich milde gegenihn gestimmt, bestochen gewissermassen durch sein tragischesEnde. Aber der Leser wird nun gewisse Ausdrücke besser ver-stehen, die ich auf ihn anwandte,jene"koboldhafte Naivität"oder auch "kindische Dämonie", die iöh als einschlägig in seinWesen bezeichnete. An Adrians Stelle - aber es ist freilichunsinnig, mich an seine Stelle zu versetzen - hätte ich meh-reres nicht geduldet von dem, was Rudolf äusserte. Es warentschieden ein Missbrauch des Dunkels. Nicht nur, dass erwiederholt zu weit ging in der Offenheit über sein Verhält-nis zu Ines, - auch in anderer Richtung ging er zu weit,sträflich und koboldhaft weit - verführt durch das Dunkel,möchte ich sagen, wenn dabei der Begriff der Verführung ganzrichtig eingesetzt schiene und man nicht besser von einemkecken Anschlag der Zutraulichkeit auf die Einsamkeit spräche.

Das ist in der Tat der Name für Rudi Schwerdtfegers Bezie-hung zu Adrian Leverkühn. Der Anschlag nahm sich die Zeitvon Jahren, und ein gewisses schwermutsvolles Gelingen warihm nicht abzusprechen: auf die Dauer erwies sich die Wehr-losigkeit der Einsamkeit gegen solche 7/erbung, allerdingszu des Werbers Verderben.

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