sich nicht versagt, angenommen noch dazu, die Frau wäre hübsch,wenn auch auf etwas fatale und leidende Veise." Aber ersei auch fatal und leidend, ein angestrengter und oft kummer-voller Künstler; er sei kein Springinsfeld oder Sonnenjüng-ling, oder was man sich sonst unter ihm vorstelle. Ines stel-le sich allerlei unter ihm vor, ganz Falsches, und das schaffeein schiefes Verhältnis, als ob nicht ein solches Verhältnisan und für sich schon schief genug sei mit den albernen Si-tuationen, die es fortwährend mit sich bringe und mit seinerNötigung zur Vorsicht in jeder Beziehung. Ines komme überall das leichter hinweg, aus dem einfachen Grunde, weil sieleidenschaftlich liebe, - er könne das umso eher aussprechen,als sie es ja auf Grund falscher Vorstellungen tue. Er seida im Nachteil, er liebe nicht: "Ich habe sie niemals geliebt,das bekenne ich offen; ich hatte immer nur brüderlich-kame-radschaftliche Empfindlingen für sie, und dass ich mich somit ihr einliess und dieses dumme Verhältnis sich hinschleppt,an das sie sich klammert, das war eine blosse Sache der Ka-valierspflicht auf meiner Seite." Er müsse dazu aber im Ver-trauen Folgendes sagen: Es habe sein Missliches, ja Degra-dierendes, wenn die Leidenschaft, eine geradezu verzweifel-te Leidenschaft, aufseiten der Frau sei, während der Mannnur Kavalierspflichten erfülle. Es verkehre irgendwie dasBesitzverhältnis und führe zu einem unerfreulichen Überge-wicht der Frau in der Liebe, so, dass er sagen müsse, Inesgehe mit seiner Person, seinem Körper um, wie eigentlichund richtigerweise der Mann umgehe mit dem einer Frau - -wozu noch ihre krankhafte und krampfhafte, dabei ganz unge-rechtfertigte Eifersucht komme auf den Alleinbesitz seinerPerson: ungerechtfertigt, wie gesagt, denn er habe geradegenug an ihr, übrigens auch genug von ihr und ihrer Umklam-merung, und sein unsichtbares Gegenüber könne sich kaum vor-stellen, welch Labsal gerade unter diesen Umständen für ihn
521