sodass das eine nicht vom anderen zu unterscheiden ist undGlück und Strafe dasselbe sind. Sie müssen sehr leiden.
Sasse ich hier, wenn ich zum Sittenrichter gemacht wäre?
Dass ich für Sie fürchte, das leugne ich nicht. Aber ichhätte auch das für mich behalten ohne Ihre Präge, ob ichSie schelte.
- Vas ist leiden, was sind Furcht und demütigende Gefahr,sagte sie, - im Vergleich mit dem einen, süssen, unentbehr-lichen Triumph, ohne den man nicht leben wollte: das Leicht-fertige, Entgleitende, das Weltliche, die Seele mit unverläs-siger Nettigkeit Quälende, das aber dennoch wahren mensch-lichen Wert hat, an diesem seinem ernsten Werte festzuhal-ten, sein Stutzertum zum Ernst zu zwingen, das Lose zu be-sitzen und es endlich, endlich, nicht einmal nur, sondernzur Bestätigung und Versicherung nie oft genug, in dem Zustandzu sehen, der seinem Wert gebührt, im Zustand der Hingebung,der tief aufseufzenden Leidenschaft.
Ich sage nicht, dass die Frau sich genau dieser Worte be-diente, aber sehr annähernd so drückte sie sich aus. Sie warja belesen und gewohnt, ihr inneres Leben nicht stumm zu füh-ren, sondern es zu artikulieren, und hatte sich als Mädchensogar in der Dichtkunst versucht. Ihre Worte besassen gebil-dete Präzision und etwas von der Kühnheit, die immer ent-steht, wenn die Sprache Gefühl und Leben ernstlich zu erreichenund in sich aufgehen zu lassen, sie in sich erst wahrhaftleben zu lassen bestrebt ist. Dies ist kein alltäglicherWunsch, sondern ein Erzeugnis des Affektes, und insofern sindAffekt und Geist verwandt, insofern aber auch ist der Geistergreifend. Indem sie fortfuhr zu sprechen, nur selten mithalbem Ohr hinhörend auf das, was ich etwa einschaltete,waren ihre Worte, ich sage es offen, von einer sinnlichenWonne durchtränkt, die mich anstehen lässt, sie hier in direk-ter Rede wiederzugeben. Mitleid, Diskretion, menschliche