In meiner Gegenwart war es vorgekommen, dass sie währendeines solchen Vorganges geröteten Angesichts den Salon ihrerMutter verlassen und sich in ihr Zimmer zurückgezogen hatte,
- an dessen Tür, wie sie vielleicht erhofft und erwartet,nach einer Viertelstunde Rudolf geklopft hatte, um nach demGrunde ihres Verschwindens zu fragen, den er sicherlichkannte, der aber natürlich unaussprechlich war, - ihr zu sa-gen, wie sehr sie drüben fehle, und ihr in allen Tönen, auchin solchen brüderlicher Zärtlichkeit, die Rückkehr abzu-schwätzen. Nicht eher hatte er geruht, als bis sie ihm ver-sprochen, - zwar nicht mit ihm zusammen, das denn doch nicht,aber einige Zeit nach ihm wieder zur Gesellschaft zu stossen.
Man verzeihe die nachträgliche Einschaltung dieses Vorkomm-nisses, das sich meiner Erinnerung eingeprägt hat, aber ausderjenigen der Senatorin Rodde, nun, da Ines' Verlobung undE^ieschliessung Tatsache geworden, auf eine gemütvolle Weiseverbannt war. Nicht nur, dass sie die Hochzeit in allerStattlichkeit ausgerichtet und es, in Ermangelung einer nen-nenswerten pekuniären Mitgift, an einer würdigen Aussteuer inWäsche und Silber nicht hatte fehlen lassen; sie entäussertesich auch manches Möbelstückes aus alter Zeit, gewisser ge-schnitzter Truhen, eines und des anderen vergoldeten Gitter-stühlchens, um zur Ausstattung der herrschaftlichen Wohnungbeizutragen, die das junge Paar in der Prinzregentenstrasse,zwei Treppen hoch - die Vorderzimmer gingen auf den Engli-schen Garten - gemietet hatte. Ja, wie um sich selbst undanderen zu beweisen, dass ihre Gesellschaftsfreudigkeit, dielustigen Abende in ihrem Salon wirklich nur den Glücksaus-sichten, der Unterkunft ihrer Töchter gedient hatten, legtesie nun entschiedene Abdankungswünsche, die Neigung an denTag, sich von der Welt zurückzuziehen, empfing nicht mehrund löste schon etwa ein Jahr nach Ines* Verehelichung ihrenHausstand in der Rambergstrasse auf, um ihr Witwenleben auf
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