bindet" war formell Genüge geschehen, und die Länge der Prü-fung seihst schien schliesslich eine positive Lösung zu for-dern - wozu noch ein gewisses Bedürfnis nach Zusammenschlusskam, das der Krieg zeitigte: So manches schwebende Verhält-nis hatte er ja gleich anfangs zu beeilter Reife gebracht.
Pur Inessens Jawort aber, zu dem sie ja aus seelischen - odermuss ich sagen: materiellen Gründen, aus Vemunftsgründenalso, möge es heissen, - von jeher mehr oder weniger bereitgewesen war, fiel noch sehr stark der Umstand ins Gewicht,dass Clarissa gegen Ende vorigen Jahres München verlassenund ihr erstes Engagement in Celle an der Aller angetretenhatte, sodass also ihre Schwester mit einer Mutter, derenbohemehafte Neigungen, so zahm wie sie waren, sie missbil-ligte, allein geblieben wäre.
Übrigens hatte die Senatorin ihre gerührte Freude an derbürgerlichen Einordnung ihres Kindes, auf die sie ja auchdurch die Unterhaltung ihres Salons, den gesellschaftlichenBetrieb ihres Hauses mütterlich hingearbeitet hatte. Sieselbst war dabei auf ihre Kosten gekommen, hatte ihrer"süddeutsch" gelockerten Lebenslust, die Einiges nachzuholenwünschte, damit gedient und ihrer absinkenden Schönheit vonden Männern, die sie einlud, Knöterich,Kranich,Zink und Spengljungen Schauspiel-Eleven etc. den Hof machen lassen. Ja,ich gehe nicht zu weit, gehe vielmehr endlich nur gerade weitgenug, wenn ich sage, dass sie auch mit Rudi Schwerdtfegerauf einem sehr scherzhaften, das Mutter-Sohn-Verhältnisneckisch travestierenden Fuss gestanden hatte, und dass beson-ders oft im Umgang mit ihm das zierlich girrende Lachen lautgeworden war, das man an ihr kannte. Nach allem aber, wasich über die Bewegungen von Inessens Innenleben weiter obenangedeutet, ja ausgesprochen habe, kann ich dem Leser über-lassen, sich den komplizierten Unwillen, die Scham und Schandeeinzubilden, die sie angesichts dieser Tändeleien empfand.
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