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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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ländisch Lineare. Mit anderen Worten? Hitze und Kälte wal-teten neben einander in seinem Werk, und zuweilen, in den ge-nialsten Augenblicken, schlugen sie ineinander, das Expres-sivo ergriff den strikten Kontrapunkt, das Objektive rötetesich von Gefühl, sodass man den Eindruck einer glühendenKonstruktion hatte, die mir, wie nichts anderes, die Idee desDämonischen nahebrachte und mich stets an den feurigen Risserinnerte, welchen der Sage nach ein Jemand dem zagendenBaumeister des Kölner Doms in den Sand zeichnete.

Der Zusammenhang von Adrians erster Reise in die Schweizmit der früheren nach Sylt bestand aber in Folgendem. Daskulturell so regsame -und imbeschränkte kleine Land hatte undhat einen Tonkünstler-Verein, zu dessen Veranstaltungen so-genannte Orchester-Leseproben, Lectures d*Orchestre, gehören,

- das heisst:der die Jury abgebende Vorstand liess jungenKomponisten von einem der Symphonie-Orchester des Landesund seinem Dirigenten ihre Werke mit Ausschluss der Öffentlich-keit und nur mit Zulassung von Fachleuten im Probespiel vor-führen, um ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Schöpfungen abzu-hören, Erfahrungen zu sammeln, ihre Phantasie von der Klang-wirklichkeit belehren zu lassen. Eine solche Lesung wurdeeben, fast gleichzeitig mit dem Basler Konzert, in Genf,durch das Orchestre de la Suisse Romande abgehalten, unddurch seine Verbindungen war es Wendeil Kretzschmar gelungen,Adrians "Meerleuchten" - das Werk eines jungen Deutschen,das war eine Ausnahme - auf das Programm setzen zu lassen.

Für Adrian war es eine vollkommene Überraschung; Kretzschmarhatte sich den Spass gemacht, ihn im Dunkeln zu lassen. Erahnte sogar noch nichts, als er mit seinem Lehrer von Baselnach Genf zum Probespiel fuhr. Und dann erklang unter"HerrnAnsermets Stabe seine "Wurzelbehandlung", dieses Stück nächt-lich funkelnden Impressionismus, das er selber nicht ernstnahm, schon beim Schreiben nicht ernst genommen hatte, und

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