bei dessen kritischer Aufführung er auf Kohlen sass. Sichvon der Hörerschaft mit einer Leistung identifiziert zu wissen,über die er innerlich hinaus ist, und die für ihn nur einSpiel mit etwas Ungeglaubtem war, ist für den Künstler einekomische Qual. Gottlob waren Beifalls- und Missfallenskund-gebungen bei diesen Darbietungen ausgeschlossen. Privat nahmer Lobsprüche, Beanstandungen, Fehlernachweise, Ratschlägeauf französisch und deutsch entgegen, indem er den Entzücktenso wenig wie den Unzufriedenen widersprach. Übrigens stimmteer auch niemandem zu. Etwa eine Woche oder zehn Tage blieber mit Kretzschmar in Genf, Basel und Zürich und kam mit denKünstler-Cirkeln dieser Städte in flüchtige Berührung. VielFreude wird man nicht an ihm gehabt - nicht eben viel mit ihmanzufangen gewusst haben, wenigstens nicht, soweit man Anspruchauf Harmlosigkeit, Expansivität, kameradschaftliche Ausgiebig-keit erhob. Einzelne, hie und dort, mögen von seiner Scheu-heit, der Einsamkeit, die ihn -umhüllt, der hohen Schwierig-keit seiner Existenz verständnisvoll berührt gewesen sein,
- vielmehr, ich weiss, dass das vorkam, und finde es einleuch-tend. Meiner Erfahrung nach gibt es in der Schweiz viel Sinnfür das Leiden, viel Wissen darum, welches überdies, mehrals an anderen Stätten hochgetriebener Kultur, etwa im intel-lektuellen Paris, mit dem Altstädtisch-Bürgerlichen verbundenist. Hier war ein geheimer Berührungspunkt. Andererseitsbegegnete das introvertierte Schweizer Misstrauen gegen denReichsdeutschen hier einem besonderen Fall deutschen Miss-trauens gegen die "Welt", - so sonderbar es scheinen mag,wenn man das enge Nachbarlandchen im Gegensatz zum weitenund mächtigen deutschen Reich mit seinen Riesenstädten als"Welt" bezeichnet. Es hat aber damit seine unbestreitbareRichtigkeit: Die Schweiz, neutral, mehrsprachig, französischbeeinflusst, von westlicher Luft durchweht, ist tatsächlich*ihres winzigen Formates ungeachtet, weit mehr "Welt", weit