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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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sich gern über all die Leute lustig, die sich beständig er-holen, bräunen und stärken - und niemand wisse, wozu. "Erho-lung", sagte er, "ist für die, denen sie zu garnichts taugt*"Sehr wenig lag ihm am Reisen zum Zweck des Schauens, des Auf-nehmens, der "Bildung". Er war ein Verächter der Augenlust,und so sensitiv sein Gehör war, so wenig hatte es ihn vonjeher gedrängt, sein Auge an den Gestaltungen der bildendenKunst zu schulen. Die Unterscheidung zwischen den Typen desAugen- und des Ohrenmenschen hiess er gut und unumstösslichrichtig und rechnete sich entschieden zu dem zweiten. Wasmich betrifft, so habe ich diese Einteilung nie für reinlichdurchführbar gehalten und ihm persönlich die Verschlossenheitund Unwilligkeit des Auges nie recht geglaubt. Zwar sagt auchGoethe, dass die Musik ganz etwas Angeborenes, Inneres sein,das von aussen keiner grossen Nahrung und keiner aus demLeben gezogenen Erfahrung bedürfe. Aber es gibb ja ein inneresGesicht, gibt die Vision, die etwas anderes ist und mehrumfasst, als das blosse Sehen. Und ausserdem liegt ein tieferWiderspruch darin, dass ein Mensch sollte für das menschlicheAuge, das doch eben nur dem Auge erglänzt, einen Sinn haben,wie Leverkühn, und dabei die Perception der Welt durch diesesOrgan wirklich ablehnen. Ich brauche nur die Namen MarieGodeau, Rudi Schwerdtfeger und Nepomuk Schneidewein zu nen-nen, um mir Adrians Empfänglichkeit, ja Schwäche für denZauber des Auges, des schwarzen, des blauen, zu vergegenwär-tigen, - wobei ich mir natürlich klar darüber bin, dass e"sein Fehler ist, den Leser mit Namen zu bombardieren, mit de-nen er noch nicht das Geringste anzufangen weiss, und derenVerkörperung noch in weitem Felde steht, - ein Fehler r des-sen grobe Offenkundigkeit auf seine Freiwilligkeit schliessenlassen mag. Aber was, freilich, heisst auch wieder frei-

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willig» Ich bin mir wohl bewusst, diese leer-verfrühtenNamen unter einem Zwange hierher gesetzt zu haben. -

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