Zusammensein mit Rüdiger Schildknapp. Ein echter Humorist,wusste der den unscheinbarsten Eingen eine momentan überwäl-tigende Komik abzugewinnen. So ist es ja eine Tatsache, dassdas Zerbeissen von sprödem Zwieback das Gehör des Essersmit betäubendem Geräusch belegt, es gegen die Aussenwelt ab-sperrt; und Schildknapp demonstrierte nun also beim Thee, wieeine zwiebackessende Gesellschaft einander garnicht verstehenkönne und ihre Konversation auf "Wie beliebt?" "Haben Sie etwasgesagt?" "Einen Augenblick, bitte!" beschränken müsse. Wiekonnte Adrian auch lachen, wenn Schildknapp mit seinem Spie-gelbild haderte! Er war nämlich eitel, - nicht auf banaleArt, sondern in dichterischer Hinsicht auf das unendliche,seine Entschlussfähigkeit weit übersteigende Glückspotentialder Welt, für das er sich jung und schön zu halten wünschte,und grämte sich über die Neigung seines Gesichtes zu verfrüh-ter Runzelbildung, vorzeitigem Verwittern. Ohnehin hattesein Mund etwas Greisenhaftes, und zusammen mit der geradedarauf niedergehenden, etwas hängenden Nase, die man gernnoch als klassisch anzusprechen bereit war, liess er RüdigersAltersphysiognomie vorwegnehmen. Dazu kamen Stirnfalten,Strichfurchen von der Nase zum Mund und sonst allerlei Krä-henfüsse. So brachte er denn misstrauisch sein Gesicht demSpiegelglas nahe, schnitt sich eine sauere Grimasse, hieltsein Kinn mit Daumen und Zeigefinger, strich sich angewidertdie Wangen hinunter und winkte seinem Bilde so ausdrucksvollmit der Rechten ab, dass wir beide, Adrian und ich in lautesLachen ausbrachen.
Was ich noch nicht erwähnt habe, ist, dass seine Augengenau die gleiche Farbe, wie diejenigen Adrians, hatten»
Das war sogar eine merkwürdige Gemeinsamkeit: Ganz ebendiesel-be Mischfarbe aus Grau-Blau-Grün wiesen sie auf, wie bei jenem,und selbst ein identischer rostfarbener Ring um die Pupillenliess sich bei beiden feststellen. Klinge es nun so sonder-
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