nigreich, - darin und soweit war er wirklich ein Dichter.
Aus seinem Namen schloss er, dass seine Vorfahren reisigeBegleiter von Rittern und Pürsten gewesen waren, und obgleicher nie auf einem Pferd gesessen hatte, auch garnicht nachder Gelegenheit trachtete, eines zu besteigen, fühlte ersich zum Reiter geboren. Er schrieb es atavistischer Erinne-rung, einem Blutserbe zu, dass er sehr oft vom Reiten träumte,und machte uns ungemein überzeugend vor, wie natürlich es ihmwar, mit der Linken den Zügel zu halten und mit der Rechtendem Gaule den Hals zu klopfen. Die häufigste Redensart inseinem Munde war das Wort "Man sollte". Es war die Formelfür ein wehmütiges Erwägen von Möglichkeiten, vor deren Erfül-lung die Entschlussunfähigkeit stand. Man sollte dies undjenes tun, dies und jenes sein oder haben. Man sollte einenLeipziger Gesellschftsroman schreiben, sollte, sei es auch alsTellerwäscher, eine Weltreise machen, sollte Physik, Astro-nomie studieren, ein Gütchen erwerben und nur noch im Schweisseseines Angesichts die Scholle bestellen. Hatten wir uns ineinem Kolonialwarengeschäft ein wenig Kaffee mahlen lassen, sowar er imstande, beim Hinaustreten mit nachdenklichem Kopf-nicken zu äussern: "Einen Kolonialwarenladen sollte man haben!"
Von Schildknapps Unabhängigkeitssinn habe ich schon ge-sprochen. Es drückte sich dieser ja schon in seiner Verab-scheuung des Staatsdienstes, seiner freien Berufswahl aus.
Doch war er auch wieder vieler Herren Diener und hatte man-ches vom Krippenreiter. Warum hätte er übrigens bei seinenschmalen Verhältnisses nicht von seinem guten Aussehen, seinergesellschaftlichen Beliebtheit einen nützlichen Gebrauchmachen sollen? Er liess sich viel einladen, ass da und dortzu Mittag in Leipziger Häusern, auch in reichen jüdischen,obgleich man antisemitische Äusserungen von ihm hören konnte.Leute, die sich zurückgesetzt, nicht nach Gebühr gewürdigtfühlen und sich dabei einer edlen Physis erfreuen, suchen
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