waren vornehm langfingrig, mit schön geformten, ovalen, ge-wölbten Nägeln, und so unverleugbar gentlemanlike war dasGesamtbild, das er bot, dass er es wagen konnte, in seinemsalonwidrigen Alltagsaufzuge Gesellschaften zu besuchen, beidenen Abenddress herrschend war, - den Frauen gefiel erimmer noch besser, wie er da war, als seine Nebenbuhler inkorrektem Schwarz und Weise, und man sah ihn bei solchenEmpfängen umringt von unverhohlen bewundernder Weiblichkeit.
Und doch! Und wiederum! Konte seine dürftige, durch bana-len Geldmangel entschuldigte Hülle seinem Kavalierstum nichtsanhaben, das als die natürliche Wahrheit hindurchschien undsich gegen sie durchsetzte, so war wieder diese Wahrheit zumTeil eine Täuschung, und in diesem komplizierten Sinn warSchildknapp ein Blender. Die Sportlichkeit seiner Erschei-nung war irreführend, denn er trieb gar keinen Sport, ausge-nommen ein wenig Skilauf mit seinen Engländern zur Winter-zeit in der "Sächsischen Schweiz", wobei er sich aber leichtDarmkatarrhe zuzog, die meiner Meinung nach nicht ganz harm-los waren; denn trotz seiner braunen Gesichtsfarbe, seinenbreiten Schultern stand seine Gesundheit nicht auf den feste-sten Füssen, und als noch jüngerer Mensch hatte er eine Lun-genblutung gehabt, neigte also zur Tuberkulose. Seinem Glückbei Frauen entsprach meiner Beobachtung nach nicht ganz dasGlück, dessen sie sich bei ihm erfreuten, - wenigstens indi-viduell; denn in ihrer Gesamtheit genossen sie seine ganzeVerehrung, eine vagierende, umfassende Verehrung, die so sehrdem Geschlecht als solchem, den Glücksmöglichkeiten der ganzenüelt galt, dass der Einzelfall ihn unaktiv, sparsam, zurück-haltend fand. Dass er so viel Liebesabenteuer hätte habenkönnen, wie er wollte, schien ihm zu genügen, und es war,als scheute er vor jeder Bindung ans Wirkliche zurück, weiler einen Raub am Potentiellen darin sah. Das Potentiellewar seine Domäne, der unendliche Raum des Möglichen sein Kö-
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