dieser Gelegenheit, dass ich einen Blick seiner Augen begeg-nete, den ich früher nicht an ihm gekannt hatte, und an denich dachte, als ich mich fragte, ob ich ganz recht hätte, zubehaupten, ich hätte ihn nach unserer einjährigen Trennungunverändert vorgefunden. Dieser Blick, der ihm nun eigentüm-lich blieb, wenn man ihn auch nicht oft, nur von Zeit zu Zeitund manchmal ohne jeden besonderen Anlass zu erfahren hatte,war in der Tat etwas Neues: stumm, verschleiert, distanzie-rend bis zum Beleidigenden, dabei sinnend und von kalterTraurigkeit, endete er mit einem nicht unfreundlichen aberdoch spöttischen Lächeln des verschlossenen Mundes und jenemsich Abwenden, das nun wieder zu den altvertrauten Bewegungengehörte.
Der Eindruck war schmerzlich und, ob gewollt oder unge-wollt, kränkend. Aber ich vergass ihn rasch bei weiterem Zu-hören, beim Lauschen auf die bewegende musikalische Diktiondie dem Purgatorio-Gleichnis von dem Manne verliehen war,der in der Nacht ein Licht auf seinem Rücken trägt, das ihmnicht leuchtet, aber hinter ihm den Weg der Kommenden erhellt.Ich hatte Tränen dabei in den Augen. Aber noch glücklichermachte mich die überaus gelungene Gestaltung der nur ausneun Versen bestehenden Anrede des Dichters an sein allego-risches Lied, das so dunkel und mühevoll spreche und keineAussicht habe, von der Welt nach seinem verborgenen Sinn ver-standen zu werden. So möge es, trägt ihm sein Schöpfer auf,die Leute bitten, wenn schon nicht seine Tiefe, so doch seineSchönheit wahrzunehmen. "So achtet wenigstens, wie schönich bin!" Wie die Komposition aus der Schwierigkeit, künst-lichen Verworrenheit, fremdartigen Mühsal der ersten Versezu dem zarten Licht dieses Ausrufs hinstrebt und sich rührenddarin erlöst, das fand ich gleich damals bewundernswert undmachte keinen Hehl aus meiner freudigen Zustimmung.
- Desto besser, wenn es schon etwas taugt, sagte er; und
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