davon Meldung gemacht, um ihn über seinen Geisteszustand zuberuhigen. Und dann sprach Kretzschmar über die Sonate inc-moll, die als in sich gerundetes und seelisch geordnetes Werkzu verstehen, freilich nicht leicht sei und der zeitgenössi-schen Kritik wie auch den Freunden eine harte ästhetische Nusszu knacken gegeben habe: wie denn, so sagte er, diese Freundeund Bewunderer dem Verehrten über den Gipfel hinaus, auf dener zur Zeit seiner Reife die Symphonie, die Klaviersonate, dasStreichquartett der Klassik geführt, schlechthin nicht hättenfolgen können und bei den Werken der letzten Periode schwerenHerzens vor einem Prozess der Auflösung, der Entfremdung,des Entsteigens ins nicht mehr Heimatliche und Geheure, voreinem plus ultra eben, gestanden hätten, worin sie nichts an-deres mehr, als eine Ausartung immer vorhanden gewesener Nei-gungen, einen Exzess an Grübelei und Spekulation, ein Übermassan Minutiosität -und musikalischer Wissenschaftlichkeit zu er-blicken vermocht hätten, - angewandt bisweilen auf einen soeinfachen Stoff, wie das Arietta-Thema des ungeheuren Varia-tionensatzes, der den zweiten Teil dieser Sonate bilde. Ja,ebenso, wie das durch hundert Schicksale, hundert Welten rhyth-mischer Kontraste gehende Thema dieses Satzes sich selbst über-wachse und endlich in schwindelnden Höhen, die man jenseitignennen mochte oder abstrakt, sich verlieren, - ebenso habeBeethovens Künstlertum sich selbst überwachsen: aus wohnlichenRegionen der Überlieferung sei es vor erschrocken nachblicken-den Menschenaugen in Sphären des ganz und gar nur noch Persön-lichen aufgestiegen, - ein in Absolutheit schmerzlich isolier-tes, durch die Ausgestorbenheit seines Gehörs auch noch vomSinnlichen isoliertes Ich, der einsame Fürst eines Geister-reichs, von dem nur noch fremde Schauer selbst auf die willig-sten Zeitgenossen ausgegangen seien, und in dessen erschrecken-de Botschaften sie nur noch augenblicks-, nur ausnahmsweisesich zu finden gewusst hätten.
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