war. Jedoch lernten wir sie durch diese Veranstaltung ebenkennen, und zwar sehr genau, da Kretzschmar sie auf dem rechtminderen Pianino, das ihm zur Verfügung stand (ein Flügelwar nicht bewilligt worden) vortrefflich, wenn auch mit schol-lerndem Klange, zu Gehör brachte, zwischendurch aber ihrenseelischen Inhalt mit Beschreibung der Lebensumstände, unterdenen sie - nebst zwei anderen - verfasst worden, mit grosserBindringlichkeit analysierte und sich mit kaustischem Witzüber des Meisters eigene Erklärung erging, warum er auf einendritten, mit dem ersten korrespondierenden Satz hier verzich-tet habe. Er hatte nämlich dem Famulus auf seine Frage geant-wortet, dass er keine Zeit gehabt und darum lieber den zwei-ten etwas länger ausgedehnt habe. Keine Zeit! Und mit "Ge-lassenheit" hatte er es auch noch geäussert. Die in solcherAntwort liegende Geringschätzung des Fragers war offenbarnicht bemerkt worden, aber sie war gerechtfertigt durch dieFrage. Und nun schilderte der Redner Beethovens Zustand umdas Jahr 1820, als sein Gehör, von einer unhemmbaren Auszeh-rung befallen, schon in fortschreitender Verödung begriffengewesen war und bereits sich herausgestellt hatte, dass erAufführungen der eigenen Werke zu leiten, fortan nicht mehrimstande sei. Er erzählte uns, wie damals das Gerücht, derberühmte Autor sei völlig ausgeschrieben, seine Produktions-kraft erschöpft, er beschäftige sich, zu grösseren Arbeitenunfähig, wie der alte Haydn nur noch damit, schottische Lie-der aufzuschreiben, immer mehr an Boden gewonnen habe, weilnämlich seit einigen Jahren schon kein Werk von Bedeutung,das seinen Namen trug, mehr auf den Markt gekommen war.
Allein im Spätherbst von Möldling, wo er den Sommer verbracht,nach Wien zurückgekehrt, habe der Meister sich niedergesetztund jene drei Kompositionen für das Pianoforte, sozusagenohne nur einmal Notenpapier vom aufzusehen, in einem Zugeniedergeschrieben, auch seinem Gönner, dem Grafen Brunswick,
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