man sich selbst für eine Sache von Grund aus interessiereund also, indem man davon spreche, schwerlich umhinkönne, an-dere in dies Interesse hineinzuziehen, sie damit anzusteckenund so ein garnicht vorhanden gewesenes, ein ungeahntes Inter-esse zu creieren, was viel besser lohne, als einem schon beste-henden gefällig zu sein.
Es war sehr zu bedauern, dass unser Publikum ihm fast kei-ne Gelegenheit gewährte, seine Theorie zu erproben. Bei unsWenigen, die wir in der gähnenden Leere des alten Saales mitden numerierten Stühlen zu seinen Füssen sassen, bewährte siesich vollkommen, denn er fesselte uns mit Dingen, von denenwir nie gedacht hätten, dass sie so unsere Aufmerksamkeit hin-nehmen könnten, und selbst sein furchtbares Stottern wirkteam Ende dabei nur als erregend bannender Ausdruck seines Ei-fers. öfters nickten wir alle zusammen ihm tröstlich zu, wenndie Kalamität sich ereignete, und einer oder der andere derHerren liess wohl auch ein beruhigend zusprechendes "So, so","Schon gut", oder "Macht nichts!" vernehmen. Dann löste sichunter einem heiter entschuldigenden Lächeln die Lähmung, undin auch wieder nicht geheurer Flottheit ging es eine Weiledahin.
Y/orüber er sprach? Nun, der Mann war imstande, eine ganzeStunde der Frage zu widmen, "warum Beethoven zu der Klavier-sonate opus 111 keinen dritten Satz geschrieben habe", -ein besprechenswerter Gegenstand ohne Zweifel. Aber man den-ke sich die Anzeige angeschlagen am Hause der "Gemeinnützi-gen Thätigkeit", eingerückt in die Kaisersascherner "Eisen-bahnzeitung" , und frage sich dann nach dem Mass von öffent-licher Neugier, die sie erregen konnte. Man wollte schlech-terdings nicht wissen, warum opus 111 nur zwei Sätze habe.
Wir, die wir uns zu der Erörterung einfanden, hatten frei-lich einen ungemein bereichernden Abend, und dies, obgleichuns die in Rede stehende Sonate bis dato ganz unbekannt gewesen
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