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2 (1878)
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1218
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1218 Valeriana.

Einsammlung und Aufbewahrung. Die Baldrianwurzel wird im Septemberund October gegraben, alsbald abgewaschen und an der Luft getrocknet. 20Th. frische Wurzeln geben 7 Th. trockne. Das Trocknen muss jedoch imSchatten und nur au solchen Orten geschehen, zu welchen die Katzen keinenZugang haben. Mit heftiger Begierde gehen nämlich diese Thiere dem Bal-driangeruche nach, wälzen sich auf den Wurzeln herum und verunreinigendiese mit ihren Excrementen. Die gut lufttrockne Baldrianwurzel wird ge-schnitten, und auch als ein grobes und feines Pulver in gläserneu flasehen-förmigen Gefässen aufbewahrt. Die zu pulvernde Wurzel wird Stück fürStück mit einer steifen Haarbürste von Sand und Staub gereinigt und dannerst gepulvert. Bei Nichtbeachtung dieser Vorsicht wird man immer ein san-diges Pulver erhalten. Die nicht sorgsam aufbewahrte, mit hygroskopischerFeuchtigkeit beladene Wurzel liefert ein dunkleres Infusum als die gut undtrocken bewahrte.

Die Wurzel der auf trocknen, steinigen, bergigen, waldigen Stellen wach-senden Pflanze wird allgemein für kräftiger und wirksamer gehalten und ihrdaher der Vorzug gegeben. Von feuchten niedrigen Stellen zeigt die Wurzeldieselben Bestandteile, sie enthält aber mehr Feuchtigkeit und bedarf dahereine längere Austrocknung, wobei natürlich ein grösserer Tlieil ihrer flüchtigenBestandtheile verloren geht. Die erstere verliert circa 70 Proc. Feuchtigkeitbeim Trocknen, letztere 80 Proc. Nach sehr feuchten Sommern und nassenWintern ist die Wurzel aus den feuchten niedrigen Standorten oft ganz un-brauchbar.

Im Handel ist sowohl die der cultivirten, wie die der in gebirgigenGegenden wildwachsenden Pflanze entnommene Wurzel vertreten. Erstere(Radix Valerianae minoris Thuringica) ist minder geschätzt als dieandere (Radix Valerianae montanae Hercynica), welche auch mit RadixValerianae optim-a bezeichnet wird. Diese ist kenntlich an den glatten, mehrgelblichen Wurzeln, welche auch überaus reich mit den haarformigen Zäserchenbesetzt sind. Die Radix Valerianae fusca (Hollandica) kommt nicht imDeutschen Handel vor.

Bestandtheile. Nach Trommsdorf's Analyse enthält die Baldrianwurzelin 100 Th. flüchtiges, mit Baldriansäure verbundenes Oel 1,041; Harz 6,25;eigenthiimlichen ExtractivstofF 12,5; Gummi 9,375; Stärkemehl 1,563; Pflanzen-faser 69,271. Die Baldriansäure oder Valeriansäure in der Baldrianwurzelscheint ein Umsetzungsprodukt des flüchtigen Baldrianöls zu sein (vergl. Acidumvalerianicum).

Nach Czyrnianski sind in der Wurzel zwei Gerbsäuren enthalten, vonwelchen die eine mit Baryt eine lösliche, die andere damit eine unlöslicheVerbindung liefert. Die im Herbst gesammelte Wurzel ist an Baldriansäuream reichsten.

Anwendung. Die Baldrianwurzel ist eines der vorzüglichsten tonisch-excitirenden, krampfstillenden, selbst wurm treibenden Mittel. Man giebt siebei krampfhaften Leiden, Hysterie, Hypochondrie, Migräne und anderen Nerven-leiden in Pulver oder im Aufguss zu 0,51,02,03,0 ein- oder mehrmalstäglich, äusserlich im Aufguss in Klystieren, als Pulver in Niesepulvern. Inhoher Gabe (10,015,0) hat das Mittel eigentümliche toxische Wirkungen,wie Schwindel-, Verdunkelung des Augenlichtes, Kopfschmerz zur Folge. Dieantispastische Wirkung der Baldrianwurzel scheint nur durch das flüchtige Oel,die toxische durch die Valeriansäure bedingt zu sein.