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2 (1878)
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Hirudo.

Folge der Begattung zweier Blutegel verschiedener Arten, vielleicht auch inFolge äusserer Einflüsse entstehen sogar nach Zeichnung und Farbe Varietäten,welche den Charakter der Art mehr oder weniger verwischen. Soweit dieErfahrung lehrt, sind die auf dem Rücken mit rostfarbenen, rothen, bräun*liehen oder gelben Längslinien oder solchen farbigen, in Längsreihen gestelltenPunkten gezeichneten Blutegel mit spitz zulaufendem Kopfende passend fürden medicinischen Gebrauch. Sie haben, wenn sie gesund sind, eine den un-brauchbaren Egeln gemeiniglich mangelnde Eigenschaft, sich nämlich kugeligzusammenzuziehen, wenn sie in die flache Hand gelegt und danndurch Schliessen derselben gedrückt werden. Die verschiedenenArten zeigen sich in der Sauglust und Saugkraft verschieden. Sanguisugamedicinalis ist z. B. gieriger, saugt aber nicht so lange und so viel, wie manan Sanguisuga officinalis beobachtet hat, welches Thier weniger gierig ist.

Die unbrauchbaren Blutegelarten, welche mit dem medicinischenEge l Aehnlichkeit haben und bei uns angetroffen werden, ermangeln gänzlichder buntfarbigen Linienzeichnung und ziehen sich beim Druck inder Hand nicht kugelig zusammen. Es sind 3 Arten. 1. Nephelis tessß'lata Savigny ( Hirudo octoculata Bergmann ) ein kleiner 3 bis 6 Ctm. langetflacher, glatter, grau-, grünlich- oder gelb-brauner, oft verschieden geflekter, anden Seitenrändern mehr oder weniger durchscheinender Ringelwurm. 2. Hirudofusca (Pseudobdella Blainville ), ein selten vorkommender, glatter, grün-licher oder grünlich-chocoladenbrauner, auf dem Bauche graugrüner oder oliven-grüner, fast walzenförmiger Egel. 3. Haemopis sanguisorla Savigny ( Hirudosanguisuga Linn .), Pferdeegel, Rossegel. Der Rücken ist schwarzgrün, derBauch gelbgrün; die Seiten, mitunter auch der Rücken sind braungefleckt.Eine bei uns häufig vorkommende Abart ist Haemopis nigra Savigny {Hof'mopis torax Johnson ). Sie hat einen schwarzen Rücken und einen mehroder weniger dunkelen aschgrauen Bauch. Diese 3 als unbrauchbar aufge-führten Blutegelarten sind unschädliche Thiere, welche nicht einmal im Standesind, die Haut eines Menschen zu sprengen. Früher hielt man den Biss derPferdeegel für gefährlich oder doch für sehr schmerzhaft. Die Zähne desPferdeegels sind 4mal kleiner als die des medicinischen. Es giebt übrigen 8eine brauchbare Varietät des medicinischen Egels ( Sanguisuga medic-nigra), welche einen fast schwarzen Rücken hat und von Huzard sogar 211den Pferdeegeln gerechnet wurde. Näher betrachtet, ermangelt jedoch dieseVarietät nicht völlig eines bräunlichen oder röthlichen Randstreifens, auchzieht sich dieser Egel beim Drücken in der Hand kugelich zusammen.

Einkauf der Blutegel. Diese sind ein bedeutender Handelsartikel und wer-den aus Russland, Ungarn, Polen in grossen Mengen nach Deutschland, Frank'reich, England und Amerika transportirt. In Deutschland und Frankreichzieht man sie mit mehr oder weniger Glück in künstlich angelegten Teichen-Eine sehr alte und berühmte Anstalt für Blutegelzucht ist die Stöltek'scI 16in Hildesheim.

Den Bedarf bezieht der Apotheker entweder vom Blutegelhändler ode>man kauft die Egel, welche von den Landleuten gelegentlich gefangen werden*Erstere versenden die Egel in angefeuchteten Beuteln oder in sogenannte 1Muttererde (Erde, worin Blutegel leben). Im Winter bei Frostkälte darf d' eSendung nicht sogleich in ein geheiztes Lokal gebracht werden, sondern ff' 1 ''besprengt den kalten Beutel mit seinem Inhalt mit kaltem Wasser und l e »ihn an einen Ort, dessen Temperatur einige Grade über 0 ist, zum allmälicbe"Aufthauen. Eine Kälte von 8° C. macht den Egel unbeweglich, tödtet ^