2026
Voralpen selten (so auch am Speer). Ausserdem vereinzelt im westlichen Jura von 1500 bis 1680 m (Cretde la Neige, Marschairuz, Cunay, Mont Tendre, Chasseral 1605 m).
Allgemeine Verbreitung: Pyrenäen, Alpen, Jura, Karpaten, Abruzzen,Apennin, Balkan; Kiemasien, Island, Grönland, arktisdies Nordamerika (fehlt im Ural undin Zentralasien).
Aendert nur wenig ab! f. sxmplex Rouy et Foucaud (= G. hümilis Rocfael). Stengel einfach, 1-blütigBlütezeit sehr früh. — f. brevifölia Rouy et Foucaud (= G. minima Vill.). Alle Laubblätter stumpf, kürzer.— f. caerulea Trachsel. Zweige stark verlängert, l«blütig. Krone lebhaft blau, mit verlängerten Abschnitten.—f. Trachs6lii Beauv. Pflanze mit kurzen, 1» bis wenigblütigen Zweigen. Laubblätter länglich, an der Spitzei zugespitzt. Krone tief cyanblau. — f. pällida Beauverd. Pflanze ± 5 cm hoch. Grundständige Laubblättersehr klein, elliptisch bis rundlich, stumpf; Stengelblätter nach oben grösser werdend. Krone bleichviolett(ähnlich wie G. tenella). Im Wallis und Oberengadin. — Nach der Blütenfarbe werden weiter unterschieden if. flävida Murr. Krone weiss, aussen gelblich (Arlberg). — f. turbidocaerulea Louis Keller. Blüten grau»oder trübblau, an die Blütenfarbe von Swertia perennis erinnernd (Salzburg! Wildkogel). — f. violäceaE. Steiger. Blüten trübviolett (Farbe von G. tenella).
Dieses zarte, unscheinbare, arktisch«alpine Pflänzchen stellt gewissermassen eine Miniaturausgabe vonG. utriculosa dar und zählt wie G. prostrata und G. nana zu den wenigen 1-jährigen Erzeugnissen der Alpen»flora. Die kleinen Blütensternchen sind der Wärme, d. h. der Sonnenbestrahlung gegenüber sehr empfindlichund können sich je nach der Bewölkung innerhalb einer Stunde mehrmals öffnen und schliessen (siehe auchpag. 1980). Nach F. Weber steht die Art hinsichtlich thermischer Reizbarkeit an erster Stelle, hinsichtlichseismonastischer jedoch hinter G. verna und G. Bavarica. Demnach scheint die Empfindlichkeit für beideReize nicht genau parallel zu verlaufen. Insekten scheinen die Blüten wegen ihrer Kleinheit nur selten
zu besuchen-, Selbstbestäubung dürfte möglich sein. Beigrönländischen Pflanzen beobachtete War min g sogareine Verbindung der Antheren und Narbe durch Pollen»Schläuche. Die 22 fi breiten und bis 30 u langen Pollen,körner sind nach Köhler von länglicher Gestalt. DiePflanze erzeugt sehr zahlreiche und sehr leichte (0,000015 gschwer), flugfähige Samen. Von Gallenerzeugern wirdEriöphyes KernSri Nal genannt.
2260. Gentiana tenella Rottboell (= G. KoenigiiGunn., = G. boreälis Bunge, = G. tetragona Roth,= Hippion longe»pedunculatum F. W. Schmidt).Zarter Enzian. Taf. 217, Fig. 7; Fig. 2955aund Fig. 5000.
Einjährig, zart, schlank, aufrecht, (2) 4 bis8 (15) cm hoch, kahl. Stengel am Grunde ver»zweigt, mit langen, bogig aufsteigenden, meist 1 =blütigen und fast blattlosen oder nur unterwärtsbeblätterten Aesten. Grundständige Laubblätter fastrosettig, spatelig, zur Blütezeit bereits verwelkt;Stengelblätter länglich=elliptisch, nach dem Grundewenig verschmälert, ziemlich spitz. Blüten normal4=zählig, einzeln endständig. Kelch glockig, tief (bis zum Grunde) 4=teilig, mit 4 eiförmigen,stumpfen, fast gleichlangen, abstehenden, 1 »nervigen Abschnitten; letztere länger als die Krön»zipfel. Krone röhrig=glockig, himmelblau, selten weiss bis gelblich (f. lutescens Murr), mit4 lanzettlich=zugespitzten, zur Blütezeit nur wenig auseinander neigenden Zipfeln, im Schlündebärtig; Schlundschuppen klein, bärtig, ohne Leitbündel (Fig. 2955 a). Staubblätter 4, amGrunde zwischen 2 Staubblättern je 2 Honiggruben. Griffel fehlend; Narbe sitzend; Samen»anlagen in 2 bis 3 Längsreihen angeordnet. Kapsel elliptisch, sitzend. Samen länglich, stumpf,linsenförmig, 0,7 mm lang und 0,5 mm breit, braun, fein punktiert. — VII bis IX.
Fig. 3000. Gentiana tenella Rottb. (weissblühend), aufeiner Alpenmatte mit Poa alpina, Cerastium strictum, Poten-tilla grandiflora, Alchemilla sp. Phot. Dr. G. H e g i, München.