2014
ziemlich breit. Blüten deutlich gestielt (Stiel 1,5 bis 7 cm lang). Kelch glockig, 5=zähnig; Kelch 5zähne kürzer als die halbe Kelchröhre, am Grunde oft eingeschnürt, spitz, von der Kroneabstehend; Keldibuditen stumpf. Blumenkrone gross, 4 bis 5 cm lang, trichterförmig »glockig,dunkelblau (doch etwas heller blau als bei G. Clusii und G. Kochiana), mit 5 spitzen Zipfeln.Staubbeutel verklebt. Narbe trichterförmig, gefranst. Kapsel länglich. Samen ellipsoidisch,etwas gewunden, ungeflügelt, netzig=runzelig. — V bis VIII.
Sehr selten auf Magermatten der Westalpen, auf Kalk, einzig in den westlichstenAlpen der Schweiz (Mont Blanchard bei St. Gingolph am Genfersee, Sommet de Bellevuesur Morgins); jedoch kaum im Tessin (für Ghirone im Bleniotal angegeben!).
Allgemeine Verbreitung: Westliche Kalkalpen (Hautes Alpes, Dauphine, west»liehe Schweizer Alpen), Französischer Hochjura (Reculet, Cret de la Neige).
Diese an den schmalen und langen Laubblättern sehr leicht kenntliche, kalkstete Art vertritt inden Westalpen die dort fehlende G. Clusii,
2250. Gentiana verna L. (= Ericöila verna Borkh.). Frühlings = Enzian. Taf. 217,
Fig. 3; Fig. 2988, 2989 und 2935 k).
Das anmutige Blümchen wird vom Volke als Frühlingspflanze allgemein beachtet und meist nachForm (Schuhnagel.ähnlich, Stern«, glockenförmig oder mit Veilchen und „NagerP [Nelke] verglichen) und Farbe{dunkelblau, Farbe des Himmels) benannt: Schusternager 1, »veigerl (bayerisch-österreichisch), Schuh»machernägala (Schwäbische Alb), Schumacherlin (Walliss Zermatt), Guckernagerl (Steiermark:
Ennstal), blaue Nagerl (Kärn.ten), Rabennagerl (Steier«mark), Krappenägeli, .vei.gele (Schwaben), Rossnägele(Schweiz, Baden), Grabser»nägeli (St. Gallen), bloa Kutt(Schwäbische Alb), Stierenäugli(St. Gallen), Stiefel! (Schweiz),Gloggäblüem Ii, Glöggli,Ried», Steiglöggli (Wald-stätten), Steinägeli (Wald»Stätten), G r ö f 1 i (St. Gallen),Grifle [vgl. Dianthus Caryo»phyllus. Bd. III, pag. 319] (Grau»bünden), Jörge(n).nägele [nach'der Blütezeit um Georgi] (Würt»temberg), V e i g e 1 e (Tirol: Nessel»wängle), Wilde Jufenönli(Aargau), Himmelsveigerl(Oberösterreich), Himmels»
Fig. 2988. Gentiana verna L. Phot. W. Heller, Zürich. bleaml (Salzburg), Himmels»
blüemli, »bläueIi (Schweiz),
Himmelstern (Oberösterreich), Vaterunserli (Schweiz: Walenstadt), H immeist er nli, Sterne»blüemli, Stärneli (Schweiz), Tint eblüemli, »fässli (Thurgau), Rauchfangkehrer (Oberösterreich),Soldateblüemli [nach der blauen Soldatenuniform] (bayer. Schwaben). Nach der frühen Blütezeit heisstdie Art auch (vgl. Primula veris, pag. 1749) Himmelschlüssele (Schwaben, Schweiz), Schlüssel»blumen (Tirol: Kaunsertal). Nach einem schwäbischen Aberglauben bekommt man, wenn man an derBlume riecht, „Rossmucken" (Sommersprossen), daher „Rossmucka, Rossmuckenveiger 1". Aufder Schwäbischen Alb heisst es auch, man dürfe diese Blumen nicht über Nacht im Hause lassen, sonstbrenne dies ab, daher Hausa (n)brenner. Der badische Volksname Blitznägele geht auf eine ähnlicheAnschauung zurück (die Pflanze soll den Blitz „anziehen"). In Baden glaubt man auch, dass, wenn mandas Toteblümli abreisse, bald jemand sterbe. — Im romanischen Graubünden wird der Frühlings»Enzian schlops, clev da tschfel [Himmelschlüssel], spazzachamins [Schornsteinfegerlein], predichantins(Engadin) genannt.