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5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
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2010
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2010

fügt Braun« Blanquet als Endemismus der Sevennen G. Costei hinzu. Jedenfalls gehören G. Clusii undG. Costei durch ihre stets spitzen Kelchzipfel enger zusammen, während die übrigen Arten (oder Rassen) mitden am Grunde eingeschnürten Kelchzipfeln der G. Kochiana sehr nahe stehen. Wahrscheinlich reicht dieganze Artengruppe weit bis in die Tertiärzeit zurück, in welcher Periode sie in den Gebirgen von Mittel« undSüdeuropa bereits vorhanden war und ehedem auch mit andern Sektionen deutliche Beziehungen aufweisenmusste. In den arktischen Gebieten, ebenso in den zentralasiatischen Gebirgsketten, dürfte die Gruppe dagegenniemals zu Hause gewesen sein. Während der Eiszeit erfolgte dann eine wesentliche Einschränkung desGesamtareales und eine Zerstückelung desselben in die heutigen „geographischen" Unterarten bezw. Artenund zwar in Anpassung an die klimatischen und edaphischen (= Boden») Verhältnisse. Heute bewohnen GentianaClusii und G. Kochiana als „vikariierende Arten" grössere, zusammenhängende, allerdings im allgemeineneinander ausschliessende Areale, während die kalkfliehende G. alpina auf die Pyrenäen, Sierra Nevada und dieSüdwestalpen, die kalkliebende G. Dinarica G. Beck auf die Dinarischen Kalkalpen, die südlichen Karpaten und

Abruzzen, G. angustifölia Villars (= G. Sa»baüda Boiss. et Reuter) auf die südwestlichenKalkalpen, G. Costei auf die Sevennen und diekalkliebende G. Occidentälis Jakow. auf diePyrenäen beschränkt ist (Fig. 2983). In denWestalpen ist G. Clusii einzig in Hochsavoyenvertreten, in den südlichen Kalkalpen reichtsie westlich bis in die Tessiner Kalkalpenöstlich bis zum Velebit in Kroatien.

Gentiana Clusii ist in den Kalk,alpen eine gesellschaftsvage Rasenpflanze,die aber auch auf Ruhschutt und Fels über«geht. Auf der oberbayerischen Hochebeneim Bereich der Jungmoränen und Nieder«terrassenfelder gehört diese prächtige Pflanzezu den auffälligen Erscheinungen der Flach«und Gehängemoore, wo sie vor allem imMolinietum und Schoenetum und zwar hierzuweilen dominierend auftritt, gern in Begleitung von Trichophorum caespitosum, Sesleria caerulea, Orchis ustulatus,Tofieldia calyculata, Ranunculus montanus, Parnassia palustris, Potentilla sylvestris, Genista tinctoria, Primula fari«nosaund P. Auricula (l), Betonica officinalis, Pinguicula alpina, Cirsium bulbosum, Centaurea Jacea, Serratula tinc»toria, Buphthalmum salicifolium, Senecio spathulaefolius, Scorzonera humilis usw. Andrerseits zählt sie nebenSelaginella Helvetica, Carex sempervirens, Polygonum viviparum, Euphrasia Salisburgensis, Globularia cordifolia,Hieracium Hoppeanum subsp. testimoniale zu den alpinen Elementen der trockenen Heidewiesen. Ausserdemerscheint G. Clusii vereinzelt auch auf den Alluvialböden der grössern Flüsse (Wertach, Mindel, Lech, Isar [nörd=lieh bis Loiching], Amper [bis Haag], und Donau), wohin sie ursprünglich als Schwemmling gelangt sein dürfte.Das letztere dürfte auch für den nördlichsten Standort bei Roith unterhalb Regensburg, wo die Art zusammenmit Juncus alpinus, Schoenus n gricans, Orchis paluster, Orchis incarnatus var. ochroleucus, Utricularia inter«media, Gentiana utriculosa usw. auftritt, zutreffen. Durch unsinniges Sammeln zur Herstellung von Kränzenist diese Zierde der oberbayerischen Flora wie Daphne Cneorum und Primula Auricula stark bedroht. ImSchweizer Jura erscheint G. Clusii zuweilen als Bestandteil der Fels» und Schutthaldenflora, so an der Balmfluhnach Probst in Begleitung von Asplenium fontanum, Calamagrostis Lasiogroslis, Epipactis microphylla,Rumex scutatus, Thalictrum saxatile, Arabis Turrita und A. nova, Draba aizoides, Thlaspi montanum, Kernerasaxatile, Fumaria Vaillantii, Dianthus caesius, Saponaria oeymoides, Acer platanoides, Rhamnus alpina, Cotone«aster integerrima und C. tomeritosa, Sedum dasyphyllum, Bupleurum falcatum und B. ranuneuloides, Atha»manta Cretensis, Anthriscus vulgaris, Primula Auricula, Calamintha alpina und C. officinalis, Valerianamontana, Hieracium humile, also eine höchst interessante Vergesellschaftung von alpinen und jurrassisch«xerothermen Elementen.

Die Blüteneinrichtung ist bei G. Clusii, G. Kochiana, G. alpina und G. angustifölia die gleiche. Essind proterandrische, duftlose Hummelblumen, die bei Sonnenbeleuchtung weit geöffnet sind und dadurchweithin leuchten, während sie sich bei trübem Wetter schliessen und zugleich senken. Das Oeffnen undSchliessen ist wie bei anderen Enzianen von der Wärme und nicht vom Licht abhängig. Ueber die seismo»nastische Empfindlichkeit siehe pag. 1980). Der rasch sich verengende Blütengrund beherbergt den Honig in5 getrennten Kammern, welche durch die mit der Krone verwachsenen, nach innen leistenartig vorspringen»den und dem Fruchtknoten anliegenden Staubfäden getrennt werden. Im Grunde Jeder dieser Honigtaschen

Fig. 2983. Verbreitungsgebiete von: 1 Gentiana Kochiana Perr. et Song., 2 G.alpina Villars, 3 G. Clusii Perr. et Song., 4 G. Dinarica G. Beck, 5 G. angusti-fölia Villars und 6 G. Occidentalis Jakow. (nach Jakowatz). — G. CosteiBr.-Bl. der Sevennen ist nicht eingezeichnet.