Druckschrift 
5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
Entstehung
Seite
1972
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1972

In Deutschland verbreitet und stellenweise massenhaft an der Küste der Nord» und Ostsee(neuerdings aber in Ostpreussen nicht beobachtet) ; ausserdem vereinzelt im Binnenlande an salzhaltigen Stellen,so in Brandenburg, in Thüringen und in der Provinz Sachsen bei Artern, Eisleben, Borxleben, Sulza, Alper.stedter Pferderried bei Erfurt, mehrfach auf Zechstein.Gips bei Frankenhausen, Schiffgraben bei Wulferstedt,Braunschweig (Uthmöden). — In Oesterreich anscheinend nur die var. uliginosum (siehe dort). — In derSchweiz ganz fehlend.

AllgemeineVerbreitung: Meeresküsten von Skandinavien, Dänemark, Finnland,Norddeutschland, Belgien, Holland, Grossbritannien und Nordwestliches Frankreich, selten auchim Binnenland, in Oesterreich, Ungarn und Südrussland.

Aendert ab s f. hümile (Zabel). Stengel zart, kurz, vom Grunde an in dichtstehende, 1» oderwenigblütige Aeste geteilt (Standortsformen. Auf alten Maulwurfshügeln beobachtet). — f. subprocümbens

(Wittrock). Pflanze mit niederliegenden, aufsteigenden Stengeln und mitlangen Blütenstielen (Früher in Ostpreussen beobachtet). — f. glomerätum(Wittrode). Trugdolde dicht. Staubblätter unterhalb des Schlundes derKrone eingefügt. — f. latifölium (Marsson). Laubblätter verkehrt.eiförmigbis lanzettlich=eiförmig. — Wichtiger ist: var. uliginösum (Kit.) Witt rock(= Centaurium vulgäre Bede). Stengel, Blattränder und Kelchkanten ±dicht kurzhaarig.rauh. Anscheinend im Binnenland (ob ausschliesslich), soum Magdeburg, in der Altmark, in Brandenburg, Pommern (Pyritz, Madü«See), in Oesterreich in Mähren (Otnitz, Czeitsdi), in Böhmen (Elbe«niederung, Chorudim, Opoeno) und in Niederösterreich (im Gebiete derpannonischen Flora), jedoch kaum in Steiermark (früher von Graf beiSt. Gotthard nächst Graz angegeben).

C. vulgare ist eine salzliebende Art, die einerseits im Westeuropa«ischen Küstengebiet, andererseits im Gebiete der pannonisch»pontischen Floraauftritt, also eine „Strand.Steppenpflanze" darstellt. Viele Autoren haltendie beiden Pflanzen (C. vulgare und var. uliginosum), die morphologischschwer auseinander zu halten (dafür spricht auch die wenig geklärteNomenklatur) für zwei gute Spezies. — Im norddeutschen Küstengebiettritt das Pflänzchen mit Vorliebe auf Salztriften auf sandiger bis sandig»lehmiger Unterlage auf. In den flachen, nicht bewachsenen Dünentälernscheint C. vulgare das echte Tausendgüldenkraut zu vertreten und erscheintdaselbst zuweilen massenhaft (so auf den Ostfriesischen Inseln, besondersauf Langeoog) neben Juncus Balticus, Rhynchospora alba und Rh. fusca,Drosera rotundifolia, Dr. Anglica und Dr. intermedia usw. Bei Franken»hausen am Kyffhäuser kommt es auf den grasigen, etwas feuchten Gips»hügeln zwischen Sesleriarasen vor. Immerhin tritt es dort nach AugustSchulz nicht alljährlich in gleicher Individuenzahl auf und kann in einzelnen Jahren sogar ganz ausbleiben.

2233. Centaurium pulchellum (Sw.) Druce (= Erythreea ramosissima Pers., = E. inapertaSchlechtend., = E. pulchella Fries, — Gentiäna ramosissima Vill., = G. pulchella Sw., = G.ramosissima Vill., = Centaurium inapertum Raf.). Aestiges Tausendgüldenkraut.

Fig. 2950.

Pflanze 1= oder 2=jährig, (0,9) 2 bis 15 (21) cm hoch, kahl. Stengel 4=kantig, meistvom Grunde an wiederholt gabelästig, mit aufrecht abstehenden Aesten, sehr selten einfach.Grundblätter gegenständig, nicht rosettig gehäuft, rundlich bis eiförmig, stumpf; Stengelblätterspitz, alle 5=nervig. Blüten eine lockere Trugdolde bildend, alle gestielt, 10 bis 15 cm lang.Kelchzähne schmaMineal, anliegend, etwas kürzer als die Kronröhre (Fig. 2950 c). Kronedunkelrosa, selten weiss, 10 bis 15 mm lang; Kronzipfel elliptisch, 3 bis 5 mm lang. Kapselwalzenförmig, 7 bis 10 mm lang. — VI bis X.

Zerstreut (stellenweise fehlend) und in kleinen Gruppen auf feuchten, tonigen Aeckern,Stoppelfeldern, Wiesen, in feuchten Flurwegen, Karrengeleisen, Lehmgruben, Steinbrüchen,Gräben, Sümpfen, Lachen, auf Schwemmland, Schlickboden, in Dünentälern; fast nur in der

Fig. 2949. Centaurium vulgareRaf. a Habitus, b Blüte, c Frucht-querschnitt.