1954
nach unserer Aulfassung monotypischen Gattung Menyanthes zugezählt. Alle Arten sind Insektenblütler undmeist dimorph (verschiedengriffelig). Unsere beiden Arten sind als eurasiatisch zu bezeichnen, Menyanthestrifoliata als zirkumpolar.
Unterfamilie GentiailOideae. Pflanze in der Regel aufrecht. Laubblätter gegenständig, ungestielt,l»nervig. Kronblätter vereinigt, gedreht oder dachig. Einzelpollen oder Tetradenpollen. Embryosack ohneEpithel. Endospermbildung nukleär. Markständiges und manchmal auch holzständiges Siebgewebe vorhanden.
Die Unterfamilie stellt eine habituell und morphologisch in sich und nach aussen sehr gut geschlosseneGruppe dar. Fast alle Arten besitzen einen aufrechten Wuchs und sind streng dichotomisch geteilt; vielealpine Arten sind rasen» oder polsterbildend. Eine Ausnahme vom normalen Typus machen einzig die über dastropische und subtropische Asien verbreitete Gattung Crawfürdia (ebenso eine afrikanische Swertia«Art),die schlingende Kräuter mit verlängertem, dünnem Stengel umfasst, andererseits die chlorophyllarmen oderChlorophyll freien Saprophyten aus den Gattungen Voyria (28 Arten im tropischen Amerika und Afrika),Cotylanth^ra (3 Arten auf Java und Sikkim) usw. mit stark reduzierten Laubblättern und Samen. Die
Unterfamilie der Gentianoideae zählt etwa 750 Arten, die sich auf45 Gattungen verteilen. Die grösste Gattung ist Gentiana selbstmit rund 350 Arten, dann folgt S w e r t ia mit über 70 Arten, H i. 1 i a(warmes Südamerika) mit 54 Arten, Centaürium (Erythraea)mit 50 Arten, Sebeea (Wärmeres Asien, Afrika und Arizona) mit38 Arten, Chirönia mit 36 Arten (die Mehrzahl in Südafrika,3 auf Madagaskar), Exacum (Tropisches Afrika, wärmeres Asienund Neu»Guinea) mit 35 Arten usw. Die Unterfamilie ist über dieganze Erde verbreitet, zumal einzelne Gattungen oder Arten ausser»ordentlich weite Gebiete bewohnen, so besonders Gentiana undSwertia. Daneben gibt es — besonders in Brasilien, auf den Kanarenund auf Madagaskar — Gattungen mit sehr lokaler Verbreitung.
Die Familie der Gentianaceen, die eine habituell undmorphologisch in sich sehr gut geschlossene Gruppe bildet, stehtverwandtschaftlich den Loganiaceen, von denen es kaum durch-greifende anatomische oder morphologische Unterschiede gibt, amnächsten. Ein wichtiger Unterschied besteht in dem Auftreten vonBitterstoffen bei den Gentianaceen. Dagegen ist an eine Bluts»Verwandtschaft mit den Caryophyllaceen (bezw. Silenoideae),wie dies v. Borbäs 1 ) behauptet hat, gar nicht zu denken(ebensowenig an eine solche mit den Saxifragaceae); denn wederin morphologischer (Ligularbildungen und Plazentation werden angeführt 1), anatomischer, noch in physiologischerHinsicht existieren irgendwelche Zusammenhänge mit den Silenoideae. Borbäs hat eine solche Verwandt»schaft (oder Parallelismus) lediglich auf Grund von einigen und zwar nur an mitteleuropäischen Formenbeobachteten habituellen Analogien (gegenständig-dekussierte Blattstellurg, ungeteilte, einfache, ungestielte,ganzrandige, armnervige Laubblätter, dichasialer Blütenstand, vierkantiger Stengel, stark entwickelte Knoten)konstruiert. — Fossil sind einzig Samen von Menyanthes trifoliata in quartären Ablagerungen von Mittel»europa nachgewiesen.
Fast alle Gentianaceen enthalten Bitterstoffe (Glykoside), die sie gegen Weidetiere und Schneckenschützen. Wirtschaftlich sind sie deshalb als Unkräuter zu bezeichnen. Einige Arten liefern in ihren Wurzelndas Material für den Enzianbitter (vgl. Gentiana lutea). Der wichtigste Bitterstoff dürfte neben 2 weiterenGlykosiden (pag. 1992) das Glykosid Gentiopikrin (C10H20O9) sein, das vor allem in den unterirdischen (dochvereinzelt auch in den oberirdischen) Organen von Gentiana lutea, G. purpurea, G. Pannonica, G. punctata,G. Cruciata, G. Pneumonanthe und G. Germanica, dann bei Sweriia perennis, Bladcstonia perfoliata und beider nordamerikanischen Frasera Carolinensis Walt, vorkommt. Dagegen enthalten G. nivalis, G. tenella,G. campestris usw. ein anderes, ebenfalls durch Emulsin hydrolysierbares Glykosid. Aehnlich verhalten sich dieGlykoside Menyanthin (CC0H40O28) von Menyanthes, das Erytaurin von Centaurium und das Chiratin (CseLUsOis)von Sweriia Chirata Buch.»Ham. (pag. 1974). Bei Nymphoides scheinen die Glykoside zu fehlen. Molisch(Berichte der Deutschen Botan. Gesellsch. 1917) hat in den Blättern von Gentiana Germanica (genauer wohl
Fig. 2934. Entwicklung der innern Haare vonNymphoides peltata (Gmel.) O. Kuntze (nachFr. Gürtler).
') Vgl. hierüber Borbäs v., V. Der Parallelismus der Silenaceen und Gentianeen. Magyarbotanik. Lapok II (1903) und Gilg, Ernst. Ueber den behaupteten Parallelismus usw., Berichte der freienVereinigung der systematischen Botaniker und Pllanzengeographen. Wien, 1905.