1946
wird aber häufig mit L. lucidum verwechselt. Nach Ä. Entleutner soll diese meist nur als Strauch anzu-treffende Art in Südtirol einen Stammumfang bis zu 1 m erreichen. Häufig pflanzt man sie dort auch in Hecken.— L. lucidum Ait. Aus China stammend und 1794 in Europa eingeführt. Eignet sich nur für wärmereGebiete und wird in Südtirol und im Tessin häufig gepflanzt. A. Voigt stellte die Art verwildert an einerFelswand bei Morcote am Luganersee fest. In Gärten sät sie sich dort leicht selbst aus. — B. Sektion Iböta.Kronröhre 2» bis 3«mal so lang als die Kronzipfel. Hierzu gehören L. Regeliänum Koehne. Angeblich inJapan heimisch, dort aber nicht wild zu beobachten und vielleicht nur eine Kulturform von L. Ibota. Seit 1894in Europa in Kultur. — L. Iböta Siebold. In China, Korea und Japan heimisch, seit langem (bisweilen mitbunten Laubblättern) in Kultur, aber vielfach mit anderen Arten verwechselt. — L. Amurdnse Carr. Viel,leicht im Amurgebiete heimisch Seit 1861 in Europa gezogen. — L. acuminätum Koehne (= L. cili&tumRehd., = L. medium hört. p. p.). Ebenfalls unbekannter Heimat. — L. ovalifölium Hassk. (= L. medium
Franchet et Savatier). Aus Japan stammend, seit1844 in Kultur und bisweilen mit gelbgefleckten (var.variegätum Hoefk.) oder gelbgerandeten (var.marginatum Hoefk.) Laubblättern gezogen. DieArt eignet sich besser als Pfropfunterlage für andereOleaceen als L. vulgare. Gegen Frost ist sie sehrwenig empfindlich und überwintert nach J. Murr inden Anlagen von Feldkirch (gleich dem nur seltenanzutreffenden L. obtusifölium Sieb, et Zucc.)selbst in strengen Wintern (wie 1922/23) mit fast un.Versehrtem Laube.
2226. Ligustrum vulgäre L. 1 ). Rain weide,Beinholz, Hartriegel, Zaunriegel, Gimpel*beere, Tintenbeere. Franz.: Troene, trouille,frezillon; engl.: Privet; ital.: Ligustro,olivell (Tessin), olivello, isdiio, ruischio.Taf. 213 Fig. 4; Fig. 2927, 2928a bis fi,2929 und 2930.
Der Strauch wird häufig mit seinem latei»nischen Namen als Liguster bezeichnet; volksetymo.logische Anlehnungen sind Augustrum (UntereWeser), Augusthäge (Ostfriesland). Nach derGestalt der Blätter wird er häufig mit der Weideverglichen, daher Rain weide (kaum volkstümlich),Wille Wie, Holwie (Göttingen), Widlesholz(Schwäbische Alb), Zaunweide, Wilde Weide(Henneberg)s Wilde Palm (Niederrhein). Dieschweizerischen Benennungen Ch orngert(li), Cher(n)gert, Chäragert, Chuengert, Chiligert,Chollgert werden für verschiedene Sträucher (besonders aber für Ligustrum) mit zähen Aestengebraucht (vgl. Cornus sanguinea, Lonicera xylosteum, Viburnum lantana) ; welchen Ursprung sie habenund ob sie alle zusammengehören, ist nicht recht klar. Zahlreiche Bezeichnungen gehen auf die Beeren,die als giftig oder doch wertlos (daher Benennungen nach Kröte, Hund, Geis) gelten: Chrotte.Beri(St. Gallen), Hundsbeer (z.B. bayerisch.österreichisch, Schwäbische Alb), Bocksbeer (Imst), Bocksbeeri(St. Gallen), Geisehecke, »holz (Nahegebiet), Geisse(n)«Baum (Aargau), Geissbeeri (Schweiz), Teufels,kirschen (Eifel), Teufelsbeer (Schwäbische Alb). Die Beeren geben verschiedenen Vögeln Nahrung, daherVogelbeer (Baden, Schweiz), Gimplbeer (bayerisch.österreichisch), Bluetfinkabeeri (St. Gallen). Sehrhäufig gibt ihre schwarze Färbung zu dem Namen Tintenbeer (im Oberdeutschen in vielen mundartlichenFormen) Veranlassung. Wegen des harten Holzes (vgl. Cornus sanguinea), das sich zu Holznägeln undRechenbögen eignet, heisst der Strauch auch Hartrigel (z. B. Elsass, Niederösterreich), Hartüäe11 e (Elsass),Beindlholz (Westböhmen), Weiss Boaholz (Schwäbische Alb), Nagelholz (St. Gallen), Rächäbögli(Waldstätten). Im Waadtland leitet sich von Fresillon der Lokalname le Frezillon bei Vallorbe ab.
Fig. 2928. Ligustrum vulgare L. a Zweig mit Winterknospen.b Winterknospe, c Durch minierende Frasstätigkeit panaschiertesLaubblatt, d Blüte, e Eine sich ötfnencie Blüte von oben gesehen,/, /i Längsschnitt durch die Blüte. — L. Regeliänum Koehne.g Querschnitt durch ein junges Laubblatt mit einem jungen Nek-tarium. h Längsschnitt durch ein Einzeltrichom der Laubblatt-Unterseite (g und h nach E. Schwendt).
*) Bei der hl. Hildegard wird der Strauch Schulbaum, im Herbar von H. Härder (1576/91) BainHoltz oder Dintenber genannt.